1946 in Deutschland: Autos sind Mangelware.


Der Krieg ist erst wenige Monate zu Ende. Für die Deutschen aber auch viele andere Völker und Nationen. Was haben die sechs Jahren für Spuren hinterlassen? Bei den Menschen, in ihren Leben, in ihren Lebensumständen. Niemand mag die Einzelschicksale zählen. Und ihre Aussichten sind nicht besonders rosig. Auch nicht in Deutschland. Die Industrie liegt am Boden, eine Zukunft mehr als ungewiss. Das gilt auch für die Automobilindustrie.

Sie ist aufgrund der Kriegsfolgen zum größten Teil nicht in der Lage, die Produktion von Autos wieder aufzunehmen. Bombenschäden, Rohstoffknappheit, Facharbeitermangel und die Reparationsforderungen der Siegermächte verhindern eine Fertigung von Kraftwagen in größeren Stückzahlen. Eine Ausnahme bilden die unzerstörten Fordwerke in Köln, in denen bereits wieder rund 500 Lastkraftwagen monatlich produziert werden können.

Die anderen – Opel, die Bayerischen Motoren Werke, Daimler-Benz, Borgward, Adler, Auto Union und Volkswagen – müssen sich bescheidenen. Entweder produzieren sie, was gerade benötigt wird; Supentöpfe, Handwagen oder sie reparieren die Fahrzeuge der Besatzer. Manche produzieren bescheidene Stückzahlen – Vorkriegskonstruktionen, die man im Auftrag der Besatzungsmächte zum Unterhalt der Infrastruktur benötigt.

Bei der ausländischen Autoindustrie nehmen die US-amerikanischen Werke die internationale Spitzenstellung ein. Dort verlassen 1946 etwa 2,2 Millionen Personenkraftwagen die Montagebänder. In den USA werden auch die neuesten Entwicklungen im Autosektor zur Serienreife gebracht. Automatikgetriebe, komfortable Federung und großvolumige Motoren sollen den Fahrkomfort steigern. Die »Ponton«-Karosserie, bei der die Kotflügel in die Gesamtform integriert sind, ermöglicht zusammen mit einem flachen Kühler ein windschlüpfriges Design. Diese Vorzüge bietet eines der modernsten und luxuriösesten US-Fahrzeuge: Der achtsitzige Chrysler Crown Imperial. Er verfügt über einen 5,3-l-Achtzylindermotor, der 137 PS leistet und dem Wagen eine Spitzengeschwindigkeit von 140 km/h ermöglicht.

Und in Deutschland? Da läuft am 16. April in Wolfsburg der 1000. seit Kriegsende gebaute Volkswagen vom Band. Er basiert auf dem in den 30er Jahren von Ferdinand Porsche im Auftrag der Nationalsozialisten konstruierten KdF-Wagen, der im Zuge der »Kraft durch Freude«-(KdF-)Bewegung die deutsche Massenmotorisierung einleiten sollte. Er besitzt einen robusten, luftgekühlten 985-cm3-Boxermotor mit einer Leistung von 23,5 PS, der eine Spitzengeschwindigkeit von 102 km/h ermöglicht. In Berlin, Britischer Sektor, wird hier seit Beginn des 2. Weltkriegs die erste Automobilausstellung abgehalten. Volkswagen  zeigt den VW 1200 Standard. Als Cabriolet – Mangelware zwar – aber ein Auto. Und was für eins. Eins für Träume, rosige Träume. Von einer besseren Zukunft. Ohne Mangelware. Mit Autos.

 

 

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