Corrado – der erste reinrassige Sportwagen von VW.


Zunächst ist der Corrado als Nachfolger des Scirocco II geplant (Scirocco III). Er wird dazu auf Basis des VW Golf II technisch so stark verbessert, dass er aus der Scirocco-Klasse herauswächst. 1984 fällt die Entscheidung: Der VW Scirocco II wird weitergebaut, das nun Corrado genannte Modell wird höher positioniert und dazu mit einem entsprechenden Motor ausgestattet. Der neue Corrado wird im Herbst 1988 vorgestellt. Er bricht mit der Linie des Scirocco II und zeigt sich als markantes, sehr kompaktes Coupé (Länge: 4.048 Millimeter) mit dynamischer Form, die einige Details des Scirocco I zitiert. Karmann in Osnabrück übernimmt wieder die Produktion. Das 2+2-sitzige Coupé bietet mit großer Heckklappe und einem Kofferraumvolumen von 300 Liter hohen Alltagsnutzen. Eine Besonderheit ist der automatisch ausfahrende Heckspoiler (in Deutschland bei 120 km/h), der die Straßenlage bei hoher Geschwindigkeit verbessert – und dabei dem Heckspoiler des Porsche Carrera 964 ähnelt, der allerdings schon bei 80 km/h ausfährt. Zur Modelleinführung erhält der VW Corrado in Deutschland den durchzugsstarken Vierzylinder-Langpleuel-Motor mit acht Ventilen und 1.781 Kubikzentimeter Hubraum. Ein innovativer G-Lader haucht dem Motor reichlich Leistung ein. Das Modell bleibt über die gesamte Produktionszeit ein reiner Fronttriebler.

Neue Motoren

Erst nach drei Jahren bekommt der G60 Unterstützung durch zwei weitere Triebwerke, den 2,0-Liter-Vierzylinder 16V mit 136 PS und den 2,9-Liter-Sechszylinder mit serienmäßigem elektronischen Sperrdifferential EDS. Um den Sechszylinder zu implementieren, muss ein konstruktiver Schuhlöffel angewandt werden: Der Vorderwagen wird erweitert und umkonstruiert – erkennbar an der vorderen Radführung (Neukonstruktion des Querträgers), an den Änderungen von Motorhaube und Kühlergrill sowie an den verbreiterten Seitenteilen und der Frontschürze. Der Tank wird bei allen Modellen von 55 auf 70 Liter vergrößert. Außerdem steht nun ein Automatik-Getriebe zur Wahl. 1993 erweitert der 2,0-Liter-Benziner 8V mit 115 PS das Motorenangebot. Der G60-Motor entfällt.
 
 

Neues Interieur

Generation Frischluft: Das Golf Cabriolet.


Alles neu: Auf dem Genfer Salon präsentiert Volkswagen im März 1979 das Golf Cabriolet. Sein auffälligstes Merkmal ist der fest mit der Karosserie verschweißte Überrollbügel, der dem Fahrzeug zu mehr Sicherheit verhilft. Die Premiere sorgt für Aufruhr in der Cabrio-Gemeinde. Ein Überrollbügel? Was soll das? Schnell aber wird klar: Das Erdbeerkörbchen, so sein zunächst spöttisch und dann liebevoll gemeinter Kosename, setzt neue Maßstäbe – und wird zum erfolgreichsten Cabriolet der Welt.

„Sonne, Mond und Cabrio“ lautet der Werbeslogan, als 1979 die offene Variante des Golf I präsentiert wird. Besonders charakteristisch: der feststehende Bügel über der B-Säule. Diese aufwändige Konstruktion ist eine Reaktion auf die Sicherheitsdiskussion der 1970er Jahre. Der Bügel bietet einen optimalen Umlenkpunkt für die vorderen Sicherheitsgurte und führt die Seitenscheiben sicher und geräuscharm.

Die Gemeinschaftsentwicklung von Volkswagen und Karmann wird ab 14. Februar 1979 in Osnabrück produziert und stellt vom Start weg den legitimen Nachfolger des berühmten Käfer Cabriolet dar. Der offene, wie sein Vorgänger ebenfalls viersitzig angelegte Golf muss in große Schuhe schlüpfen – und füllt sie schon kurz nach seiner Präsentation aus, wie die Verkaufszahlen belegen. Insgesamt werden 392.000 Einheiten des VW Golf I Cabriolet gebaut.Seine Motorisierungen lassen Käfer Cabriolet-Fahrer erblassen, denn es gibt gleich zu Produktionsbeginn zwei leistungsstarke Benzinmotoren: einen 1,5-Liter-Motor mit 51 kW (70 PS) in der GL-Ausstattung (auch mit Automatik lieferbar) – sowie in der GLI-Ausführung für besonders dynamisch orientierte Fahrer der aus dem GTI bekannte 1,6-Liter-Motor mit 81 kW (110 PS). Das Golf Cabriolet GLI ist an den Kotflügel-Verbreiterungen des Golf GTI zu erkennen. 

Während in Wolfsburg der Golf II seinen Vorgänger ablöst, bleibt in Osnabrück fast alles beim Alten: Das Golf Cabriolet hat jetzt serienmäßige Sportsitze und einen größeren Tank, im Kofferraum befindet sich ein Notrad. Es stehen zwei Motoren zur Auswahl: ein 1,6-Liter-Motor mit 75 PS und ein 1,8-Liter mit 112 PS..Damit wird die GLI-Version des Golf Cabriolet, parallel zum GTl, ebenfalls mit dem neuen Langhub-Motor mit 1,8 Litern Hubraum und 112 PS ausgestattet. Dieser Antrieb passt mit seinem breiten Drehzahlenband und seiner Durchzugskraft vorzüglich zum Golf Cabriolet.

Zwei Jahre später erhält das Äussere ein modernes Make-up und das Golf I Cabriolet wird optisch der Zeit angepasst: Hochwertige Innenausstattungsdetails schaffen sichtbare Unterschiede zu den ersten Baujahren. 

Das Volkswagen Cabriolet überspringt die Golf II-Generation, wird zum Modelljahr 1988 hin jedoch optisch überarbeitet. Größere Stoßfänger, integrierte Seitenschweller und ein anders gerippter Grill rücken das Golf Cabriolet ab optisch in die Nähe des Golf II. Durch das Rundum-Spoilerpaket erhält das Golf Cariolet einen verstärkten Auftritt . Die lackierten Stoßfänger sind deutlich voluminöser und reichen seitlich bis an die Radausschnitte. Die  lackierten Radläufe sind mit in Wagenfarbe lackierten Kunststoffblenden vom ehemaligen GLI verbreitert. Neue Schwellerverkleidungen modernisieren den optischen Auftritt zusätzlich. Das Golf Cabriolet wirkt nun deutlich stämmiger und breiter, in der Länge legt es ebenfalls leicht zu. Ein weiteres optisches Merkmal ist der stärker gerippte Kühlergrill.

Fahrzeugdaten

Golf I Cabriolet / Werkscode: Typ 155 Cabriolet (A1C)

Modellvarianten / Bauzeit: Golf I 1.5 Cabriolet: 1979–1983  
  Golf I 1.6 GLI Cabriolet: 1979–1982
  Golf I 1.6 Cabriolet (55kW): 1983–1988
  Golf I 1.6 Cabriolet (53kW): 1986–1990
  Golf I 1.8 GLI Cabriolet: 1982–1983
  Golf I 1.8 Cabriolet (66 kW): 1983–1988
  Golf I 1.8 Cabriolet (70 kW): 1985–1989
  Golf I 1.8 Cabriolet (72 kW): 1989–1993
Motor:  Vierzylinder, wassergekühlt
Einbaulage Motor: Front, quer
Antrieb: Front
Radstand (mm): 2.400
Länge / Breite / Höhe (mm): 3.815 / 1.610–1.635 / 1395–1.410

 

Besondere Vielfalt: Sondermodelle des Golf I Cabriolet

Ab Mitte der 1980er Jahre erkennt Volkswagen zunehmend die Kraft der Sondermodelle, die auch das Golf Cabriolet erfahren darf, wie als Sondermodell von 1990: Golf Cabriolet „Bel Air“. In den Showrooms der Volkswagen Partner stehen nun zahlreiche Sondermodelle des Golf Cabriolet. Sie sind mal sportlich, mal elegant, mal luxuriös akzentuiert. Lifestyle als Zeichen der Zeit: Lackierungen und Kleidung passen in die späten 1980er Jahre. Ab dem Modelljahr 1990 wird erstmals ein elektro-hydraulisches Verdeck angeboten, das als aufpreispflichtige Option geordert werden kann.

Keine Modellpflege, sondern ein Weltmeistertitel

Das letzte Baujahr

Im letzten Produktionsjahr 1993 wird das Golf Cabriolet nur noch mit dem bekannten 1,8-Liter-Motor mit 98 PS und geregeltem Katalysator angeboten. Bis zum Auslauf werden fast 392.000 Golf Cabriolet gebaut.

Zur Premiere 1979 stieß das Golf Cabriolet zunächst bei vielen auf Skepsis: ein offener Golf? Mit Überrollbügel? Schnell aber wird klar: Das Erdbeerkörbchen, so sein Kosename, setzt neue Maßstäbe, wird zu einem der erfolgreichsten Cabriolets der Welt und entwickelt sogar Kult-Appeal – durch zahlreiche Auftritte in Film und TV. Und über Generationen hinweg. Tja, der sachliche Golf als emotionale Open-Air-Version: eine überraschende Idee, die grandios zündete.

Fotonachweis: Volkswagen

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Olá, Fusca! – 70 Jahre VW do Brasil


Im Jahr 1953 lief der erste Käfer in Brasilien vom Band – der erste außerhalb von Deutschland gebaute Volkswagen. Zugleich begann damit vor 70 Jahren die automobile Demokratisierung Brasiliens. Ein Rückblick auf die Anfangsjahre von Volkswagen do Brasil.

Am Anfang stand der Käfer: Mit dem runden Volkswagen, dem werksintern als VW Typ 1 bezeichneten Modell, beginnt die automobile Erfolgsstory in Südamerika.  

Deren Prolog ist Anfang der 1950er-Jahre anzusiedeln, als sich Volkswagen um eine ausländische Produktionsstätte in Brasilien bemühte. Obwohl der dortige Automobilmarkt zu diesem Zeitpunkt noch klein war, hatte Brasilien mit dem größten Binnenmarkt aller lateinamerikanischen Staaten ein erhebliches wirtschaftliches Wachstumspotenzial. Um den VW Käfer in Brasilien montieren zu lassen, gründete die Volkswagen GmbH am 23. März 1953 ihre erste ausländische Produktionsgesellschaft, die Umitada GmbH in São Paulo.

Die Volkswagen wurden aus Deutschland als CKD-Bausatz (Completely Knocked Down) verschifft, die Montage der komplett in Einzelteile zerlegten Fahrzeuge erfolgte beim brasilianischen Auftragnehmer Brasmotor im Industrieviertel Ipiranga in São Paulo. Bereits am 1. Juli 1955 folgte die Gründung der brasilianischen Tochtergesellschaft Volkswagen do Brasil Sociedade Anonima (S.A./Aktiengesellschaft) und die Übernahme des Montagewerks. Die ersten jemals außerhalb Deutschlands gefertigten Volkswagen stammen somit aus São Paulo: In der Rua do Manifesto wurden zwischen 1953 und 1957 insgesamt 2.820 Volkswagen montiert; den Hauptanteil stellte der VW Käfer, der VW Typ 2 Transporter kam auf knapp ein Fünftel.

Wolfsburger aus Brasilien

Um die Produktion in die eigenen Hände zu nehmen und auch die Teile vor Ort zu fertigen, entschied der Vorstand in Wolfsburg alsbald, ein eigenes, vollwertiges Werk zu errichten. Die dichte Bebauung in São Paolo ließ eine Werksgründung dieser Größe jedoch nicht zu. Ein geeignetes Areal wurde schließlich im rund 20 Kilometer südlich gelegenen São Bernardo do Campo gefunden, die Grundsteinlegung erfolgte am 16. Juni 1956. An der Via Anchieta, der Autobahn zwischen São Paulo und Santos, entstanden auf einem Gelände von 229.807 Quadratmetern zunächst 10.200 Quadratmeter Fabrikfläche.

Das erste große Kapitel wurde hier am 2. September 1957 aufgeschlagen, als der erste brasilianische Volkswagen vom Band lief: ein VW T1 Bus, hier Kombi genannt, mit 50 Prozent national gefertigten Komponenten. Nur vier Jahre später lag der Anteil schon bei 95 Prozent – auch beim „Fusca“, wie der VW Käfer bald liebevoll in der Landessprache genannt wurde und seit 1959 in brasilianischer Serienproduktion. 

1959 schließlich erfolgte die offizielle Eröffnung: Am 18. November rollten Heinrich Nordhoff, der damalige Generaldirektor der Volkswagenwerk GmbH, und Juscelino Kubitschek, der seinerzeit amtierende brasilianische Präsident, in einem offenen Käfer Cabriolet über das Werksgelände in São Bernardo do Campo. Die Belegschaft stand Spalier an diesem besonderen Mittwoch – Volkswagen do Brasil war das erste Volkswagen Werk außerhalb Deutschlands. 

Volkswagen bringt Wohlstand

Innerhalb weniger Jahre avancierte VW do Brasil zum Marktführer auf dem brasilianischen Automarkt. Die Arbeit bei Volkswagen war für viele Brasilianer eine Chance für den sozialen Aufstieg: Auch ungelernte Arbeiter bekamen gute Löhne, gearbeitet wurde in einer modernen Produktionsstätte. Dazu kam ein umfangreiches Paket weiterer Sozialleistungen wie etwa die medizinische Versorgung durch Werksärzte und der Volkswagen eigene Freizeitclub. Eine eigens eingerichtete Volkswagen Buslinie brachte die Belegschaft zur Arbeit und zurück. In den Folgejahren entwickelte sich São Bernardo do Campo zum „Detroit Lateinamerikas“, denn auch andere ausländische Automobilhersteller siedelten sich hier an. 

Volkswagen entsandte einen gewaltigen Mitarbeiterstab nach Brasilien, um das für einen erfolgreichen Start der Fertigung notwendige Know-how vor Ort zu haben. Für die meisten der als erfahrene Vorarbeiter, im Management oder in der Verwaltung tätigen Deutschen glichen die Anfangsjahre in Brasilien einem Abenteuer. Kaum jemand hatte das Land zuvor bereist oder hier gelebt, auch Portugiesisch-Kenntnisse waren meist kaum vorhanden. Doch das Zusammenspiel des binationalen Teams funktionierte vom Start weg hervorragend. Und die Begeisterung der Brasilianer für Volkswagen wuchs beständig. Das lag insbesondere am VW Käfer, der auch weniger gut betuchten Kreisen einen erschwinglichen Einstieg in die Automobilität ermöglichte. 

Auf Erfolgskurs

Für den großen Erfolg war neben der effizienten Großserienproduktion vor allem eines entscheidend: die Produkte selbst. Der Fusca etwa war nicht nur erschwinglich, sondern auch zuverlässig, dabei familientauglich und komfortabel. Der luftgekühlte Motor und das robuste Fahrwerk waren wie gemacht für ein Land, in dem die Straßen außerhalb der Städte damals meist unbefestigte und oft holprige Pisten waren. Selbst die oft beklagte Schwäche des VW Käfer – seine Heizung – stellte im subtropischen Klima Südamerikas kein Problem dar. Der Fusca avancierte zum Bestseller – und war 23 Jahre lang das meistverkaufte Auto Brasiliens.

Auch der Kombi, der VW Bus, überzeugte die Kundschaft mit seiner praktischen und soliden Art. Als VW T2 wurde er in modifizierter Form in Brasilien noch bis 2013 gebaut.

VW regional: Modelle für den lateinamerikanischen Markt

Seit Anfang der 1970er-Jahre wurden auch Modelle nur für den lateinamerikanischen Markt entwickelt. Den VW Brasília entwarf Volkswagen do Brasil im Bestreben, ein geräumiges und luftiges Auto auf Basis der gleichen Technik wie der VW Käfer zu schaffen. Der modern gezeichnete Kompaktwagen debütierte 1973 – mit Heckmotor und auf Käfer-Plattform. Mit der Produktionseinstellung des VW Brasília im Jahr 1982 endete schließlich die Heckmotor-Ära in Brasilien.

Toooor! für Volkswagen: Zum absoluten Erfolgsmodell wurde der Kompaktwagen Gol – und nein, hinten fehlt kein „f“. Der VW Gol 1300, in seinem Format zwischen Polo und Golf angesiedelt, kam im Mai 1980 auf den Markt – speziell entwickelt für die Anforderungen in Lateinamerika. Aus technischer Sicht war der Gol eine echte Besonderheit. Obwohl völlig neu konzipiert, bestand er aus diversen Komponenten verschiedener Volkswagen und Audi Modelle: Bodengruppen-Elemente des Audi 80 B1 und B2 sowie diverse Teile aus VW Golf I und VW Polo I gingen eine teils doch sehr ungewöhnliche Liaison ein. Das betraf vor allem den Motor, denn in dem Fronttriebler arbeitete anfangs ausschließlich ein luftgekühlter 1300er-Boxermotor aus dem VW Käfer, hier allerdings in umgekehrter Einbaulage. Er war wahlweise für Alkoholbetrieb oder für Benzinbetrieb ausgelegt. Der VW Gol bewährte sich in verschiedenen Ausbaustufen und war von 1987 an 27 Jahre lang das meistverkaufte Auto Brasiliens. Die Modellreihe Gol verabschiedete sich erst 2022. 

Von Osnabrück nach São Paulo: Auch Karmann fand den Weg nach Brasilien und fertigte hier Volkswagen. 1960 gegründet, hatte Karmann-Ghia do Brasil ebenfalls vor den Toren von São Paulo eine Fertigungsstätte an der Via Anchieta. Das VW Karmann Ghia Typ 14 Coupé wurde hier von 1961 bis 1972 gebaut, von 1968 bis 1982 auch das Karmann Ghia Cabriolet, die sich in vielen Details von ihren deutschen Pendants unterschieden. Auf dem Autosalon São Paulo 1970 debütierte eine völlig neue Karosserievariante, der Typ TC 145. Auf der unveränderten Bodengruppe des kleinen VW Karmann Ghia und mit der 1600er-Maschine aus dem VW Typ 3 schufen die brasilianischen Konstrukteure ein modernes 2+2-sitziges Fließheckcoupé mit geglätteten Karosserieformen. Bis 1975 wurde der sportlich-elegante VW Karmann Ghia TC 145 in Brasilien gebaut. 

Brasilianischer Sportler: Bis heute begeistert auch der Volkswagen SP 2, ein ab 1972 gefertigtes rassiges Sportcoupé. Das Coupé mit Heckmotor stand auf der Bodengruppe des VW 1600 Typ 3, die sportliche, wohlproportionierte und selbsttragende Karosserie war ein vollkommen eigenständiger Entwurf von VW do Brasil unter Leitung von Márcio Piancastelli. Maßgeblicher Impulsgeber war der damalige Chef von Volkswagen do Brasil Rudolf Leiding. In enger Zusammenarbeit mit VW do Brasil wurde der Brasilianer mit dem Kürzel für São Paulo im Namen bis 1976 bei Karmann-Ghia do Brasil gefertigt. Ebenso wie der schnittige TC 145 war der SP 2 nur für den südamerikanischen Markt entwickelt und ging nie in den Export nach Europa.

Von Anfang an überzeugte Volkswagen die Brasilianer mit einfacher und zuverlässiger Technik, mit Komfort und Sicherheit. Und im Fall der Fälle ließen sich Reparaturen in der nächsten Werkstatt meist schnell durchführen. Käfer & Co besitzen in Brasilien bis heute eine riesige Volkswagen Fangemeinde – auf den Straßen sind viele Volkswagen Modelle zu sehen, die hierzulande rar geworden sind. 

Heute ist Volkswagen do Brasil mit über 25 Millionen produzierten Fahrzeugen der größte Automobilhersteller Brasiliens und mit über vier Millionen ausgelieferten Fahrzeugen der bedeutendste Exporteur. Volkswagen hat in Brasilien vier Werke und ein Vertriebszentrum für Ersatzteile sowie rund 500 Händlerbetriebe. – Mit dem Fusca zum Marktführer, eine echte Erfolgsgeschichte.

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Bildnachweis: Volkswagen AG

Vor 60 Jahren: Prototyp des Volkswagen Karmann Ghia wurde intern präsentiert: Bugbus.net gratuliert.


Mit Volkswagen Derivaten aus Osnabrück begann die Höherpositionierung der Marke. Dank des Karmann Ghia hatte Volkswagen seit Mitte der 50er-Jahre ein Auto im Programm, das oberhalb des Käfers seine Kunden fand. Der Prototyp feiert nun ein rundes Jubiläum, entstand er doch im Jahr 1953. Das intern im Rahmen des Pariser Automobilsalons präsentierte Auto ging 1955 in die Serienproduktion. Heute ist das Unikat einer der Stars der Automobilsammlung Volkswagen Osnabrück.

Zwei Jahrzehnte lang sorgten Volkswagen Karmann Ghia Typ 14 Coupé (1955 bis 1974) und Cabriolet (1957 bis 1974) für emotionale Momente.

Zwei Jahrzehnte lang sorgten Volkswagen Karmann Ghia Typ 14 Coupé (1955 bis 1974) und Cabriolet (1957 bis 1974) für emotionale Momente.

Mit dem in Osnabrück gebauten Karmann Ghia gelang es Volkswagen, einen spürbaren Akzent in Richtung Höherpositionierung zu setzen. Als Basis des von 1955 bis 1974 in fast 450.000 Einheiten gefertigten Fahrzeugs diente natürlich der Käfer. Wilhelm Karmann hatte Luigi Segre von der Carrozzeria Ghia in Turin Anfang 1953 mit der Umsetzung seiner Idee beauftragt – zunächst noch ohne Absprache mit Volkswagen. Ursprünglich war ein offener Sportwagen angedacht, realisiert wurde aber dann zunächst ein kleines Coupé.

Vor 60 Jahren – im Oktober 1953 – wurde das Auto in einer Garage in Paris dem Auftraggeber präsentiert, der zum Pariser Automobilsalon angereist war. Wilhelm Karmann war begeistert und zeigte den kleinen Schönling dann im November jenen Jahres dem ansonsten eher restriktiven Volkswagen Chef Heinrich Nordhoff. Weil dank des seit 1949 gefertigten Volkswagen Käfer Kabrioletts bereits ein enges Vertrauensverhältnis zwischen den Wolfsburgern und dem alteingesessenen, 1901 gegründeten Karosseriebau-Unternehmen aus Osnabrück bestand, konnte es Karmann wagen, diesen Vorstoß riskieren.

Aber der in einigen Details noch etwas rustikal anmutende Prototyp überzeugte den Volkswagen Generaldirektor. Der Serienbau war schnell beschlossene Sache, nachdem sich die Kostensituation nicht als Problem herausstellte. Die Zeit bis zum Produktionsanlauf wurde für den Feinschliff genutzt: Innenausstattung und Karosseriedetails wurden für die Serienversion modifiziert – wobei die bei Ghia erdachte Grundform des Fahrzeugs erhalten blieb. Die komplette Technik des intern Typ 14 genannten Karmann Ghia stammte vom Käfer; alle kommenden Entwicklungsschritte des Bestsellers wurden getreulich mitvollzogen.

1953 baute die Carozzeria Ghia im Auftrag von Karmann dieses attraktiv geformte Coupé auf. Im Vergleich zum späteren Serienmodell fehlen beispielsweise noch die charakteristischen „Nasenlöcher“.

1953 baute die Carozzeria Ghia im Auftrag von Karmann dieses attraktiv geformte Coupé auf. Im Vergleich zum späteren Serienmodell fehlen beispielsweise noch die charakteristischen „Nasenlöcher“.

Doch auch Wilhelm Karmanns Traum von einem offenen Wagen wurde schließlich Realität: Bei einer weiteren internen Präsentation in Wolfsburg sorgte das wiederum von Luigi Segre und seinem Team entworfene Cabriolet für Furore. 1957 startete die Serienfertigung des geöffneten Ablegers. Bis zum Produktionsende des Longsellers anno 1974 rollen 362.601 Coupés und 80.881 Cabriolets vom Band – auch der „Käfer im Sportanzug“ hat eine einzigartige Erfolgsgeschichte geschrieben.

Fast 450.000 Einheiten der schicken Käfer-Abkömmlinge entstanden bei Karmann in Osnabrück und in Brasilien.

Fast 450.000 Einheiten der schicken Käfer-Abkömmlinge entstanden bei Karmann in Osnabrück und in Brasilien.

Das Coupé-Unikat, das noch ohne Motor auskommen musste, gehört zur nicht öffentlichen Sammlung von Volkswagen Osnabrück. Zu besonderen Anlässen, wie der 5. Schloss Bensberg Classics (6. bis 8. September 2013) ist es auch außerhalb des Werkes zu bestaunen. Bei der Volkswagen Osnabrück GmbH werden aktuell das Golf Cabrio, die Porsche Modelle Boxster und Cayman sowie der Volkswagen XL1 hergestellt.

Basis des Karmann Ghia war der Volkswagen Käfer. Die Studie von 1953 wird einer der Stars der 5. Schloss Bensberg Classics vom 6. bis 8. September 2013 sein.

Basis des Karmann Ghia war der Volkswagen Käfer. Die Studie von 1953 wird einer der Stars der 5. Schloss Bensberg Classics vom 6. bis 8. September 2013 sein.