P wie Porsche Poster.


Von Reklame hielt Ferry Porsche nichts – bis er die Plakate von Hanns Lohrer präsentiert bekam. Dessen Stil passte zur schlichten Eleganz der Sportwagen. Der Grafiker durfte sich in den fünfziger und sechziger Jahren kreativ austoben und Autos auch mal durch Hunde ersetzen.

Als Werber hatte man bei Porsche in den Anfangsjahren des Unternehmens keinen leichten Job. „Ferry Porsche war Reklame suspekt, er zählte mehr auf persönliche Kundenkontakte und die übliche Mund-zu-Mund-Propaganda innerhalb der Sportfahrerszene“, sagt Dieter Landenberger.

Bunte Nummer: Sportwagen von Porsche räumten auf den Rennstrecken Pokale ab.

Er muss es wissen, denn als Leiter des historischen Archivs bei Porsche kuratiert er zurzeit eine umfangreiche Ausstellung zum Thema. Gezeigt werden Plakate des 1995 verstorbenen Hanns Lohrer, der mit seinen Zeichnungen ab Anfang der fünfziger Jahre die Sportwagen vom Typ 356 einer gutbetuchten Kundschaft schmackhaft machen sollte.

Hanns Lohrer setzte die Trophäen auf Werbeplakaten in Szene.

Das Prinzip war ziemlich einfach: Porsche fuhr der Konkurrenz in den Fünfzigern auf der Rennstrecke davon. Die Erfolge im Motorsport sollten in den Autohäusern vergoldet werden. Lohrers Plakate zeichneten in satten Farben und mit klaren Linien die Erfolge der schwäbischen Boliden nach, dazu wurde die schiere Zahl der Triumphe aufs Poster gedruckt. Dann wurden sie in die Verkaufsräume der Händler gehängt.

Statussymbole unter sich: In einer Plakatserie machte Lohrer 1961 Vorschläge, welche Sportgeräte standesgemäß in einen Porsche 356B passen. Golfschläger zum Beispiel.

Den Kunden gefiel das, ebenso wie den Verkäufern: „Win on Sunday, sell on Monday“, habe das Motto der Händler gelautet, erzählt Dieter Landenberger. Zusammen mit Uwe Lohrer, dem Sohn von Hanns Lohrer, hat er die Ausstellung „Kunst, Grafik & Design – Hanns Lohrer & Porsche“ zusammengestellt.

Auch Jagdflinten samt modischer Huttracht waren sportliche Attribute.

Autowerbung ohne Auto

Mitte der Fünfziger machte sich die Begeisterung für Werbung endlich auch in der Chefetage der Zuffenhausener Sportwagenschmiede breit. Lohrer wurde zum vielbeschäftigten Mann und durfte nun auch mehr als nur Pokale malen. Für eine Plakatserie schrumpfte er die Autos auf den Postern ein und setzte andere Motive in den Vordergrund: Jagdflinten, Pferdesättel und Golftaschen zum Beispiel – Symbole des Wohlstands und Freizeitspielzeuge potentieller Porschefahrer. Der Slogan dazu: „Sport der Persönlichkeit“.

Winteredition: „Sportliches Fahren in seiner schönsten Form“ lautete der Slogan zu dieser Plakatserie.

Während Motive wie das Schießeisen eher Männer ansprachen, spielten andere Entwürfe mit dem Verlangen der Frauen. In einem Verkaufsprospekt für den 356A ließ Lohrer eine Damenhand in feinem Lederhandschuh einen Steuerknüppel führen. Als Vorlage diente ein Accessoire von Lohrers Frau, ebenso wie für den Armreif, der das Handgelenk schmückt. Der Originalarmreif soll im September auch in der Ausstellung zu sehen sein.

ferdestärken: Die Botschaft dieser Plakate war eindeutig – wer kostspielige Hobbys pflegt, fährt Porsche.

Eine andere Inspirationsquelle Lohrers wird dagegen nicht mehr aufzutreiben sein: Auf dem wohl ungewöhnlichsten Porsche-Plakat ist kein Porsche zu sehen, sondern ein Pudel. „Ich reise mit Porsche“, segnet das Haustier den Autogeschmack von Herrchen und Frauchen ab. Der wählerische Wauwau sei laut Landenberger eine Hommage an Ali gewesen, den Pudel von Lohrers Grafiker-Kollegen Anton Stankowski.

Brennpunkt: Ehe sich die Wege von Lohrer und Porsche trennten, ließ der Grafiker 1967 noch über dem Targa die Sonne aufgehen.

Das Original: Hanns Lohrer wird im September 2012 eine Ausstellung im Porschemuseum in Stuttgart gewidmet. Der Künstler wäre in diesem Jahr 100 geworden, er lebte bis 1995.

Teure Originale

Ende der Sechziger gingen Porsche und Lohrer getrennte Wege. Mit der Ära des Modells 356 endete auch die des Künstlers. Es habe eine „unternehmerische Zäsur“ stattgefunden, lautete die Begründung von Archivleiter Landenberger. Für das Marketing seien internationale Agenturen verpflichtet worden, die den neuen Star aus Zuffenhausen bewerben sollten: den Porsche 911.

Des Pudels Herrn: Der schwarzDer Hund ist eine Hommage an das Haustier des Künstlerkollegen Anton Stankowski…

Je nach Zustand und Originalauflage könne ein Lohrer-Plakat heute bis zu 2000 Euro wert sein, meint Landenberger. In Stuttgart, wo im September die Retrospektive des Künstlers eröffnet wird, hat sich Lohrer ohnehin unsterblich gemacht: Hier hat er bei der Bundesgartenschau den Fernsehturm in einem Logo verewigt. Und der ist in der Schwabenstadt mindestens so berühmt wie der 911er.

Global Player: „Internationalität!“ lautete eines der Gebote von Werbeleiter Lapper. Also entwarf Lohrer auf seinem Plakat eine bunte Mischung aus Porsche, Pisa, Wüstensohn und Reisfeldidylle.

 

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