Ein Bild und seine Geschichte. Heute: Wirtschaftswunder.


1955,  Dervio, Lago di Como, Italien. Hier nahm der Fotoamateur Alberto (Nino) Galbia dieses Bild auf. Er fokussiert auf die Seitenansicht eines Fahrzeugs mit geöffneter Haube. Unser Blick wird dabei am rechten Kotflügel eines anderen Autos vorbei und an der linken Zeltflanke nach hinten geführt, wo der Blick durch den Wald aufgehalten wird. 

1955, Jahr des Wohlstandes? Woher kommen die Autos, es sind deutsche Fabrikate, links der mächtige Kotflügel eines Opel Kapitän. Dieses Oberklassemodell aus Rüsselsheim war bereits in seiner 2. Version nach dem Krieg auf dem Markt. Im Herbst 1953 erhielt der überarbeitete Kapitän ’54 eine Pontonkarosserie im amerikanischen Stil mit einem markanten „Haifischmaul“-Kühlergrill. Alle Türen waren jetzt vorn angeschlagen und auch die Frontscheibe ungeteilt. Die Leistung des Motors stieg auf 50 kW (68 PS), die Höchstgeschwindigkeit auf 138 km/h. In seiner Produktionszeit von November 1953 bis Juli 1955 wurden 61.543 Exemplare gebaut. Der Kaufpreis betrug 9.500 DM (ab 3. Januar 1955: 8.990 DM). Das war eine Menge Geld. Ein Auto für Reiche, für die, die es geschafft hatten, man konnte an den Gardasee reisen, man leistete sich etwas. Im Hintergrund ein Käfer, das Sinnbild des deutschen Wirtschaftswunders. Ein Exportmodell, ohne Rheumaklappen aber mit Ausstellfenstern. Ob es ein Brezel ist oder schon die feierliche Einfahrt des neuen Ovalis? Im Jahr des 1 Million-Käfers hat VW die Preise gesenkt, 4’600.– DM waren nun zum Volkswagen-Händler zu bringen, um das gute Stück sein eigen zu nennen.

1955, Campingplatz in Italien? Drei Welten prallen aufeinander. Vorne hat man es geschafft, die Kargheit im Gesicht ist gewichen, man überholt links und hat bewusst auf einen Mercedes verzichtet, weil der Opel dem american way of life standesgemäss repräsentiert. Hinten ist man auch schon wer, wenn auch zum halben Einstandspreis. Die lange Dachantenne lässt auf guten Empfang im Käfer schliessen, so dass man auch draussen noch prächtig mit lauschen kann. Während der zarte Kofferaum des Käfers wohl Zelt, Schlafsack, Decke und Rücksäcke schluckt, hat der Opel auch noch Platz für Grill, Stuhl, Campingschränkchen und Obstschale. Man will sich ja  nicht nur im Auto wie zu Hause fühlen. Denn drum herum, wer weiss, ob in Italien, 1955…? Dolce fa niente.

 

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