Britische Starthilfe – Volkswagen erinnert an den Beginn der britischen Treuhänderschaft vor 75 Jahren.


Vor 75 Jahren, ab dem 5. Juni 1945, treten die Briten in ihre Besatzungszone ein und lösen dort US-Truppen ab. Die britische Militärregierung übernimmt in Wolfsburg die Treuhänderschaft über die Volkswagenwerk GmbH. Damit beginnt eine einzigartige Nachkriegsgeschichte. Schlüsselfigur ist der 28-jährige Major Ivan Hirst. Mit Improvisationsvermögen, Organisationstalent und enormer Weitsicht formt er den zu großen Teilen zerstörten und zur Demontage vorgesehenen Rüstungsbetrieb zu einer zivilen Fahrzeugfabrik. Die Briten stellen so die Weichen für den späteren weltweiten Erfolg des Käfers und legen das Fundament für den Volkswagen Konzern von heute. Volkswagen würdigt die Zeit der Briten mit dem Dokumentarfilm „Meine Aufgabe war klar“, in dem Ivan Hirst über seine Zeit bei Volkswagen erzählt.

Ivan Hirst (1916 – 2000) erzählt im Film „Meine Aufgabe war klar“ seine Volkswagen Story 1945-49:

Aufbau und Neustart
Die Fabrik muss zuerst instandgesetzt werden, ein Prozess, der auch nach Aufnahme der Fertigung kontinuierlich fortgesetzt wird. Material und Rohstoffe wie Stahl, Batterien, Textilien und Glas, sind im Nachkriegs-Deutschland äußerst knapp. Hirst bekommt sie mit Verhandlungsgeschick von der britischen Militärverwaltung zugeteilt. Knapp, aber genug, um die Fertigung auf ein Monatssoll von 1.000 Fahrzeugen zu bringen – im März 1946 wird dies erstmals erreicht. Das Volkswagenwerk hat nur eine kleine Stammbelegschaft, die Rekrutierung von Arbeitskräften ist deshalb eine weitere Herausforderung. Hirst ist pragmatisch und bietet auch deutschen Kriegsgefangenen Arbeitsplätze an. Die Versorgung der Arbeiter bleibt während der ersten Jahre äußerst schwierig. Hirst improvisiert und beschafft unter anderem über Kontakte dringend benötigte Lebensmittel. Im Oktober 1945 formiert sich der erste frei gewählte Betriebsrat – für die Briten ein wichtiger Schritt zur Demokratisierung. Die Arbeit­nehmer­vertretung sorgt zunächst vor allem für eine gerechte Verteilung des Mangels.

Weizenernte im Werk Wolfsburg, 1946. Angesichts der Nahrungsmittelknappheit greift Werksoffizier Ivan Hirst zu ungewöhnlichen Maßnahmen und lässt auf dem Werkgelände Getreide anbauen.

Zukunftsweisende Strukturen
Die Entnazifizierung führt zur Entlassung des bisherigen Werkleiters, der Jurist Dr. Herrmann Münch löst ihn im Juni 1946 ab. Als Generaldirektor treibt er zusammen mit einem kaufmännischen und einem technischen Direktor die Fertigung weiter voran. Nach diesen organisatorischen Neuerungen verbessern die Briten die Qualität der Fahrzeuge und der Fertigungsabläufe, schulen Mitarbeiter im Kundendienst und beginnen mit dem Aufbau einer Handelsorganisation. Damit sind sie so erfolgreich, dass Volkswagen im Oktober 1947 mit dem Export beginnt. 1948 verlassen 19.000 Fahrzeuge die Fabrik, davon sind rund ein Viertel für den Export bestimmt. Parallel beginnt die Produktion von Ersatzteilen für das wachsende Servicenetz. Die guten Zukunftsperspektiven veranlassen die Treuhänder, das Management einem Experten zu übertragen und das Unternehmen in deutsche Verantwortung zu geben. Am 1. Januar 1948 beginnt Heinrich Nordhoff als Generaldirektor der Volkswagenwerk GmbH. Drei Jahre nach Ende des Krieges hat sich das Volkswagenwerk von einer Rüstungsruine zur Automobilfabrik mit 8.700 Beschäftigten entwickelt. Die Arbeits- und Lebensbedin­g­ung­en in Wolfsburg verbessern sich zusehends, aber in Deutschland ist die Lage noch immer von Mangel geprägt. Die entscheidende Wende kommt am 20. Juni 1948 mit der Währungsreform, die in den drei westlichen Besatzungszonen einen Wirtschafts­boom auslöst und auch Volkswagen zusätzlich Schub verleiht. Für Ivan Hirst läuft alles in die richtige Richtung. Am 8. Oktober 1949 überträgt die britische Militärregierung die Treuhänderschaft für die Volkswagenwerk GmbH in deutsche Verantwortung.

Dr. Hermann Münch, Generaldirektor der Volkswagenwerk GmbH (Juni 1946 – Dezember 1947).

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Bildnachweis: Volkswagen AG

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