50 Jahre GSR: gelb, schwarz, stark.


1973 sorgt ein sportlicher Käfer für Furore und Begehrlichkeiten. Innerhalb von nur drei Monaten ist der kernige Käfer, der alles andere als handzahm auftritt, ausverkauft. Und auch 50 Jahre später begeistert dieses limitierte Sondermodell des VW 1303 S durchweg: der Gelb-Schwarze Renner.

Gelb und Schwarz – eine Farbkombination, die in der freien Natur ganz klar als Warnung zuverstehen ist. Also Obacht! Garantierte Aufmerksamkeit bekommt auf diese Weise auch der Niedersächsische Krabbler, eine seltene Käfer-Art aus der Familie des VW 1303 S. Vor 50 Jahren zeigt sich dieser schwarz-gelbe Käfer erstmals der Öffentlichkeit und macht schon allein durch seine Optik klar, dass es sich bei ihm um eine ganz besondere Spezies handelt. Der coole Käfer in sportlich-flottem Look ist 1973 ein echter Renner. Viele wollen ihn, doch nur 3.500 seiner Art sind zu haben. 

Renner mit Rallye-Optik als Statement

Beim Gelb-Schwarzen Renner ist der Name Programm: Haube und Heckdeckel sind in Mattschwarz gehalten, die restliche Karosserie in auffälligem Saturngelb. Ebenso sind die Zierleisten unter den Seitenfenstern, die Türgriffe sowie die Stoßstangen schwarz lackiert, das Typenschild „VW 1303 S“ am Heck und die Zierleiste auf der geschlitzten Fronthaube sind in Gelb abgesetzt.  

Das kurz „GSR“ genannte Käfer-Sondermodell erinnert an den Rallye-Sport, der seinerzeit auf dem Höhepunkt ist, an Fahrspaß, strahlt Kraft und Dynamik aus und gibt sich, zumindest optisch, latent angriffslustig. Erstmals bietet Volkswagen mit dem GSR einen Käfer in betont sportlicher Ausstattung an.

Als Sonderausstattung erhält der Käfer neben der Sonderlackierung in Saturngelb und Mattschwarz eine schwarze Innenausstattung aus Stoff, ein Sportlederlenkrad, Sportsitze mit Nackenstützen und Ruhesitzverstellung, eine heizbare Heckscheibe sowie Stahlfelgen in der Größe 5 1/2 J 15 ET 26 mit Pirelli Cinturato-Bereifung 175/70 SR 15.

Basis für das auffällige Sondermodell ist der VW Käfer 1303 S mit der 37 kW (50 PS) starken 1,6-Liter-Maschine. Die Fahrleistungen unterscheiden sich mit dem Serienmotor zwar nicht von denen eines „zivilen“ 1303 S, aber – und das lässt jedes Tunerherz höherschlagen – das Sondermodell bietet reichlich Luft nach oben: Der Gelb-Schwarze Renner besitzteine amtliche Tuningfreigabe – bis 100 PS und 165 km/h Spitze. „Frisieren“, wie es damals noch heißt, also erlaubt. 

Die limitierte Sonderserie soll den Käufern bewusst die Möglichkeit geben, sich „mit diesem exklusiven, sportlich aussehenden Typ 1 von dem Gros der Käfer-Fahrer abzusetzen“ sowie dem „sportlich-ambitionierten“ Käufer ein „Basis-Modell für die wettbewerbsmäßige Ausrüstung“ zu bieten, so der Verkaufsprospekt. Der Gelb-Schwarze Renner kostet nur 7.650 DM, ein überschaubarer Aufpreis im Verhältnis zu 6.890 DM für den üblichen VW 1303 S.

Optisches Kraftpaket mit Serienmotor

Es hätte auch anders kommen und der Renner als echter Leistungsträger auftreten können. Rudolf Leiding, damaliger Volkswagen Vorstandsvorsitzender und Technik-Mensch durch und durch, war anfangs angetan und voller Zustimmung von der Idee eines Sport-Käfers, der nicht nur optisch eine klare Ansage sein würde. Doch die Zeit erforderte wichtigere Projekte als einen Spiel-Käfer: Mit Passat, Scirocco und Golf sollte in Kürze der erforderliche Umbau der gesamten Volkswagen Modellpalette und -philosophie erfolgen, für das Auslaufmodell Käfer galt die Maxime, die Verkäufe hochzutreiben, mit allen erdenklichen Marketing-Mitteln.

Jetzt also ein Sondermodell, ein sportlicher Käfer, für den sich keiner besser geeignet hätte als der stärkste und modernste Käfer, den es geben sollte: der VW 1303, der 1972 auf den Markt kam. Einzelradaufhängung vorn an Federbeinen, hinten mit Doppelgelenkachse und quer liegenden Schraubenfedern. Dazu Panorama-Frontscheibe, ein echter Armaturenträger sowie vordere Scheibenbremsen. 

Zahlreiche starke Versionen wurden getestet. Umgesetzt werden die sportive Lackierung nebst Ausstattung, aber ansonsten: Serienmotorisierung.

Der Volkswagen Vertrieb, nicht untätig, listet in seinen GSR-Verkaufsunterlagen prompt sämtliche anbietenden Leistungssteigerer und deren Maßnahmen auf. Ein Extrablatt vermerkt das sonstige sportive Zubehör, von Zusatzscheinwerfern über Feuerlöscher und Sportschalthebel bis hin zum Doppeltonhorn. Darüber hinaus könnten GSR-Kunden, die ihre Kugel tatsächlich zum Porsche aufrüsten wollen, spezielle Karosserieversteifungen ordern: Domstrebe vorn, verstärkte Getriebeaufhängung und sogar die verstärkten Kastenprofile der Längsschweller des Käfer Cabriolets sind bestellbar. 

 

Bonner Debatte um den Renner

Amtliche Tuningfreigabe und signalstarkes Sportdress – wenn das mal nicht zur Raserei verleitet. Oder gar Aggressivität im Straßenverkehr droht! Abwegiger Gedanke? Keineswegs. Zumindest nicht 1973. Mattschwarz und Saturngelb sind die Farben des Käfers, und so, als käme er tatsächlich von einem anderen Stern, debattieren Teile der Öffentlichkeit – Bundestag inklusive – erregt über diesen potenziellen Krawallo-Käfer vom beschaulichen Mittellandkanal.

So wird am 1. Februar 1973 im Deutschen Bundestag in Bonn die Frage des Abgeordneten Helmut Lenders erörtert, ob denn die Vertreter des Bundes im Vorstand des Volkswagenwerkes darauf hinwirken könnten, dass der Hersteller darauf verzichte, mit Produktvariationen und Werbemethoden – wie gegenwärtig mit dem ‚gelbschwarzen Renner‘ – auf den Markt zu gehen“, die den Käufer „geradezu dazu anhalten, die Straße und sein Auto nicht als Verkehrsmittel, sondern als Rennpiste und Rennwagen“ zu betrachten. Der Bundestagsabgeordnete wolle zudem wissen, ob man die Autohersteller nicht allgemein für eine Art der freiwilligen Selbstkontrolle gewinnen könne mit Blick auf solcherlei Werbung, die beim Käufer „nicht den verantwortlichen, auf Sicherheit bedachten Verkehrsteilnehmer, sondern den potentiellen Rennfahrer“ anspreche. Die Verkehrssicherheit liege der Bundesregierung mit Nachdruck am Herzen, und hinsichtlich der Werbung gebe es bereits ausgezeichnete Initiativen im positiven Sinne, erläutert der zuständige Parlamentarische Staatssekretär Ernst Haar, stellt jedoch klar: „Ich kann die Aussicht, dass die beanstandeten Automobilwerbungen durch gesetzliche Vorschriften eingeschränkt werden könnten, nur sehr vorsichtig beurteilen.“ Wohl zu populär ist die Gaudi der „schneller gemachten“ Autos im Volk.

3.500 Exemplare des GSR werden zwischen dem 27. Dezember 1972 und dem 1. Februar 1973 innerhalb der laufenden 1303 S-Serienfertigung gebaut. Ab Januar 1973 im Handel, sind sie im März 1973 schon restlos ausverkauft.

Heute sind sie eine echte Rarität, und die Spezies GSR gehört zu den seltensten Käfern überhaupt. Da heißt es also: Schön aufpassen, um vielleicht doch mal einen der raren Gelb-Schwarzen Renner in freier Wildbahn zu erspähen. Es lohnt sich, versprochen.

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