Ein Bild und seine Geschichte. Heute: das ba-ba-lu.


In den fünfziger Jahren – kurz nach dem verlorenen Krieg – war das Moped jugendlicher Ausdruck von Freiheit und Abenteuer. Einer Jugend, die mit dem Krieg bestenfalls noch Kindheitserinnerungen gemeinsam hatte. Frei wollte man sein und das Lebensgefühl hiess fahren. Wer es sich leisten konnte, leistete sich ein Auto. Doch das waren die wenigsten. Das änderte sich in den sechziger Jahren und mit dem Wohlstand wurde der Überfluss nicht mehr angefressen sondern verfahren. Am besten im eigenen Auto. Im Strassenbild dominierte der Käfer, unterbrochen von Kadett oder Taunus, manchmal ein DKW. Borgward, Goliath oder Lloyd, eine Isetta von BMW zeugten noch von den 50ern. Sie waren gebraucht auch damals schon erschwinglich, aber sie wollte keiner. Man glaubt es kaum, der Käfer war  damals schon das klassenlose Auto. Dem Golf zuvor gekommen.

Unser Bild zeigt eine Szene wohl in den späten sechziger Jahren. Drei Käfer gruppieren sich um dem markant im Bild stehenden SL. Das Bonner Kennzeichen verwirrt ein wenig wie der SL selber. Selten war der schon damals. Es ist ein 190er, ein kleiner SL, der ja durch eine prominente Besitzerin ein ganz besonderes Renomée erhielt.  Aber Bonn, das Hauptstadtdorf am Rhein ist das nicht. Links oben werden wir auf eine Apotheke verwiesen, die uns den Strassennamen nennt: Leopoldstrasse und drüber der Hinweis auf das berühmte ba-ba-lu. Wir sind in München, genauer in Schwabing, dem Partykeller der Stadt.

Um dem SL mit Hauptstadtkennzeichen versammeln sich drei Käfer. Links ein Cabriolet, dahinter wohl ein Standard  und dahinter noch ein weisser Käfer. Wir können wohl davon ausgehen, dass dieser Verband zusammen gehört. Die Personen sehen alle ziemlich abgerockt aus, das muss eine heisse Nacht gewesen sein. Bezeichnend, dass sie am Steuer des SL sitzt, vielleicht weil es ihrer ist? Oder kann er noch nicht fahren? Am Käfer wird noch das Gepäck verzurrt, vielleicht ein Bass. Sehen wir hier eine Beatband auf der Heimreise? Waren sie im ba-ba-lu?

Das ba-ba-lu erfindet sich bis heute immer wieder neu: es war in den 50ern noch eine Animierbar, daraus wurde der Kellerclub später eine der In-Locations für Jazz und Swing. In den 90ern feierte hier die Münchner Technobewegung mit den DJs Sven Väth, Westbam und Dr. Motte ihre Anfänge. Zwischenzeitlich unter dem Namen „Prager Frühling“ berüchtigt, erfreut sich das babalu nach wie vor großer Beliebtheit. Im „neuen“ babalu stehen wechselnde Reihen wie Karaokeabende, Livekonzerte von Jazz bis Reggae oder der in der Szene bekannte Elektroabend auf dem Programm.

Natürlich können diese Zeitgenossen auch woanders gefeiert haben. Wünschen wir ihnen aber doch, dass sie im ba-ba-lu waren. Wir gehen demnächst auch wieder hin und werden an sie denken.

 

LOGO_bugazine

Bist Du auf der Suche nach einem luftgekühlten VW oder Porsche?  Besuche jetzt –::– bUGbUs.nEt –::–

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s