Neu am Kiosk: Porsche Klassik – Magazin für Sportwagen # 6


Fünf Ausgaben reichen, um das Porsche Klassik Magazin mit dem Prädikat „Unentbehrlich“ zu adeln. Packende Porträts faszinierender Sportwagen, faszinierende Geschichte, Szenerundumblick, Literaturvorstellung, kurz: Hier ist alles drin, was der Porsche Enthusiast braucht. Vorteil von Porsche Klassik: Man kann sich beim Lesen einzig und allein auf Porsche konzentrieren und kann die Vergleiche und Konkurrenzkämpfe zu anderen Marken getrost den angestammten Magazinen überlassen.

Nummer 6 lebt, während wir die schützende Hülle über unseren Klassiker gezogen haben. Mit einer Titelstory, die besser in den nächsten Sommer passt, als in die grau-trüben Tage so kurz vor Weihnachten. Lassen wir uns also ablenken von einem Targa Vergleich 1972 vs 2014. Zwei blaue Ikonen stellen sich dem Designvergleich. Zart und filigran das Vorbild, breit und muskulär das aktuelle Modell, das sich im Gegensatz zu früheren Targa-Derivaten des 911ers wieder stärker an der Grundidee des polierten Überrollbügels konzentriert.

Wer lieber unterwegs ist, als Autos im Atelier zu bewundern, kann mit einem der seltenen Porsche Speedster der G-Modelle den Alpenpisten im Ötztal nachspüren. Und gleich den nächsten Frühjahrstrip planen und die Strecke – am besten offen – nachfahren. Vielleicht inspiert ja der Artikel über die Porsche Enthusiasten aus den USA zum Kauf eines 356ers? Im September reisten 86 Mitglieder des Porsche Club of America (PCA) nach Stuttgart, um ihre 356er abzuholen. Darunter zahllose offene 356er. Und die wurden dann sogleich am Flugfeld in Empfang genommen, um damit vor dem Verschiffen in die USA noch eine Ausfahrt durch Europa zu machen.

In die andere Richtung reiste Ferdinand Porsche mit seinem Sohn Ferry 1936 mit dem Schiff in die USA. Gleich zweimal waren die Porsches in den 30er Jahren zu Gast bei den Grossen Drei in den USA, um zur Vorbereitung der Käfer-Produktion Know-how zu generieren. Ein einfühlsamer Artikel mit zahlreichen s/-Bildern entführt den Leser auf die Spuren dieser Reisen zur Zeit der Atlantik-Dampfer.

Wer sich weder für ein Cabriolet, einen Targa oder Speedster erwärmen kann, der wird vielleicht bei den 996 Geheimtipps fündig. Dieser 911er ist in der Talsohle der Gebrauchtwagenpreise angekommen. Jetzt heisst es, sein Modell finden und zuschlagen. Vorgestellt werden die Top-Modelle GT2 und GT3 und deren Bezug zum GT1 Triebwerk.

Abgefahren ist der Bericht über Chad McQueen, dem Sohn Steve McQueens und Besitzer des grauen F-Modells von 1968 seines Vaters, das ganz ähnlich auch in der Eingangssequenz des Films vorfährt. Spannend erzählt der Sohn von den Dreharbeiten zu Le Mans und wie der Vater den Sohn heimlich zu einigen Runden im 917er aufpickte.

Die Abende werden noch länger, das Heft ist noch nicht zu Ende. Für die Wassergekühlten findet sich:

  • ein Rundgang zu einem besonderen 928er mit Vollaluminum-Karosserie im Fundus des Porsche Museums
  • die Annäherung zur Baureihe 968, der in einer Schnittzeichnung unters Blech geschaut und das Geheimnis ihrer Fahrdynamik gelüftet wird.
  • die Vorstellung wieder erhältlicher Ersatzteile der Porsche Classic

Und wem das alles noch nicht reicht, der blättert in der Szene herum oder sucht sich die geeigneten Geschenke für den Weihnachtsabend heraus. Man kann sich ja das Abo von Porsche Klassik schenken lassen.

 

 

 

Teile Deine grosse Liebe: 60 Jahre Transporter Special von Volkswagen.


Wahre Liebe erkennt man an kleinen Details. Und an vielen Erinnerungen, die man nicht missen möchte. Bei Volkswagen kann man jetzt Teil dieser Liebeserklärung an den Transporter werden und seine schönsten Bilder und Geschichten mit anderen Verliebten teilen. 

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Unter http://lovetheoriginal.com/de/de#start entsteht eine Community von Typ 2 Fans, die dort ihre Erlebnisse mit anderen teilen. Zahllose Bilder, noch mehr skurrile Erlebnisse machen die Website von VW zu einem Kaleidoskop der Transportergeschichte im Kleinen.

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Vom Bullitreffen in der Wüste über Ausflüge an den Badesee, hier ist alles enthalten. Aber natürlich fehlt Deine Geschichte. Also, nix wie hin. Und selbst mitmachen. Ausserdem kann man auch noch einen Newsletter abonnieren…. Viel Spas.Bildschirmfoto 2014-10-30 um 10.22.37

 

 

 

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Recht und Gerechtigkeit: zwei verschiedene Dinge, die wenig miteinander zu tun haben.


24. August 2014…. irgendwo in Traundorf kommt ein Junge auf die Idee ein wenig zu zündeln… Das Ergebnis ist niederschmetternd. Das Feuer machen mündet in einen Großeinsatz der Feuerwehr, die eine riesige in Flammen und Rauch gehüllte Halle zu löschen hat. Leider erfolglos wie man feststellen muss. Damit ist die Existenz des Hallenpächters und Oldtimerenthusiasten Andreas Lerch in der Asche zu suchen.

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Denn mit dem Brand ist auch die Existenz des Pächters der Halle abgefackelt. Nicht weniger als 14 Autos, 3 Motorräder, 2 Wohnwägen, 1 V8 Motorboot, 1 Traktor, 2 Autoanhänger wurden Raub der Flammen. Dazu noch unzählige Ersatzteile und die Werkstattausrüstung, die Lerch sich im Laufe der letzten Jahre angeschafft hatte.

Ungeachtet des unwiederbringlichen ideellen Schadens wiegt aber viel schlimmer, dass Lerch auch € 300’000,- des Sachschadens sitzen bleiben wird. Denn weder der Junge noch dessen Eltern sind haftpflichtversichert. Lerch, der in der Halle mit viel Liebe und Können klassische Fahrzeuge restauriert hat, nutzte sie auch zum Unterstellen der seltenen, teilweise ausgezeichneten, Schmuckstücke. In den Überresten finden sich aber nicht nur die Fahrzeuge von ihm, sondern auch die von Kunden und Freunden.

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Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, wurde klar, dass weder der junge Brandverursacher noch dessen Eltern den Schaden decken werden. Aus rechtlichen Gründen tritt in diesem Fall auch die Brandschutzversicherung von Lerch nicht ein. Am Ende steht Lerch mit leeren Händen und einem materiellen Schaden von € 300’000, da. Die wohl nie jemand bezahlen wird. Auch wenn er im Recht ist, Gerechtigkeit wird es in diesem Fall keine geben.

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Die ganze Geschichte ist unter http://www.andreas-lerch.com einzusehen. Hier sind auch Spendenmöglichkeiten angegeben, um Andreas Lerch aus dem Gröbsten heraus zu helfen. Wir drücken die Daumen.

 

 

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Wenn man am Bulli hängt.


Der Wohnwagen im Bulli-Design ist da.Das Wohnen im Bulli ist auch ohne VW-Bus möglich. Der Brite Matt Clay baut die Wohnanhänger im Design des Bus-Klassikers T1 nach. Und Heimwerker können sich die Ikone auch nach eigenem Geschmack einrichten.

Dub box LimitedIrgendwas ist etwas anders. Von hinten sieht das Fahrzeug nach gutem, alten VW-Bus aus. Ein Bulli. Lasttier der 50er, 60er und 70er Jahre. Von der Seite erinnern die typischen Lufteinlässe und die ausstellbaren Fenster an die Bus-Ikone der Hippie-Generation. Vorne allerdings, wo normalerweise das VW-Logo prangt, stolpert man bei diesem Gefährt über eine Anhängerkupplung. Spätestens jetzt ist weiss man: Das ist kein Bulli. Das ist ein Wohnwagen. Und zwar des britischen Herstellers Dub Box Ltd.

Dub box LimitedDie Idee zu diesem außergewöhnlichen Caravan hatte Matt Clay aus Herefordshire, ein Bulli-Fan und Camper, dessen privater VW T1 einfach nicht mehr genug Platz für die Familie bot. Von seinem Bus jedoch wollte er sich auf keinen Fall trennen, und ein normaler Wohnwagen hätte den 48-PS-Motor des VW überfordert. Also griff Clay, Mechaniker von Beruf, kurzerhand selbst zum Werkzeugkoffer.

Dub box LimitedZunächst kaufte er zwei T1-Heckteile, schweißte sie zusammen und baute daraus eine Form, von der er eine Fiberglas-Hülle abnehmen konnte. Das Glasfasergebilde wiederum montierte er auf ein Fahrgestell, lackierte es – und fertig war die Dub Box. Sorge, dass VW wegen des Designs Ärger machen könnte, hat Clay nicht: „Wir brauchen keine spezielle Erlaubnis, denn die Wohnwagen sind Dub Boxes und keine VW-Modelle.“

Ein Wohnwagen für den Kleinwagen

Inklusive Innenausbau wiegt der 4,89 Meter lange Wohnwagen rund 600 Kilogramm und hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 750 Kilogramm. Damit lässt er sich auch von kleinmotorisierten Fahrzeugen problemlos ziehen. Für umgerechnet 16.650 Euro gibt’s den Retro-Bulli-Caravan zu kaufen.

Dub box LimitedWer es gerne noch kuscheliger hätte, dem bietet Dub Box Ltd. die noch kompaktere Version „Shortie“ an. Auf dann nur noch 2,70 Metern Länge ist Platz für ein Bett (1,88 Meter Länge), eine Mini-Küchenecke mit Spüle sowie eine Kühlbox und einen Tisch. Das Modell Shortie kostet umgerechnet 11.700 Euro – ein Hubdach ist gegen Aufpreis verfügbar. Ebenso als Extra gibt es eine Heizung, ausstellbare Safari-Fenster und eine Auswahl von Polsterfarben, Bodenbelägen sowie spezielle Ausstattungsdetails auf Käuferwunsch.

Dub box LimitedHeimwerker, die sich ihre Urlaubsbehausung gerne selbst einrichten möchten, können das Modell Shortie auch als leere Hülle zum Preis von umgerechnet 6000 Euro kaufen. Dann wird der Kurze ein Fall für lange Basteltage – und zu einem Wohnwagen, der ganz anders ist als der Rest.

 

 

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Was wäre Porsche ohne Piëch? Buchbesprechung: Porsche und Piëch.


Da ist sie wieder. Die Klarstellung der Hierarchie. Gross zieht sich der Familienname der Sportwagenmarke Porsche über den Schutzumschlag des Buches. Kleiner, mit einem „&“ versehen fügt sich der Name Piëch drunter. Schon in dieser Aufzählung drückt sich das gefühlte Verhältnis bei den untrennbar verbundenen Familienclans aus. Ein Titel, wie er auch über der Familiengeschichte von Ferdinand Porsche und seinem Schwiegersohn Anton Piëch stehen könnte: wie beide Ende der 30er Jahre das Volkswagenwerk in Fallersleben aufbauten. Oder über die Kinder dieses Ferdinand Porsche: die Geschwister Louise Piëch – mit eben diesem Anton verheiratet – und ihrem jüngeren Bruder Ferry, die beide dem Krieg Porsche aufbauen. Die eine in Salzburg erfolgreich die Porsche Holding, der andere in Stuttgart die Sportwagenmarke. Wie es auch sein, eigentlich müsste dieses Buch aber Piëch & Porsche heissen, genauer Ferdinand Piëch, der Vorname dem Grossvater geschuldet. Denn in diesem Buch geht es um ihn – um Ferdinand Piëch. Er war es, der der Marke zu ihrem heutigen Sportwagenglanz verhalf. Der sie ihn den Olymp der Top-Sportwagenmarke auf Augenhöhe hob. Und das Dasein als § respektierter Underdog beendete. Mit Renn- und Sportwagen, die Le Mans als Gesamtsieger verliessen, die alles in Grund und Boden fuhren, bis sie verboten wurden. Und Piëch gehen musste.

Am liebsten waren Piech Fahrer, die wie er, aufs Ganze gingen.

30 cm breit, 20 cm hoch, 1,7 kg schwer und in den Farben des Sponsors Gulf hellblau/orange eingeschlagen liegt der 272 Seiten starke Prachtband vor einem. In ihm erzählt Buchautor Eckhard Schimpf den kurzen Ausschnitt aus der langen und reichen Porsche Sportwagentradition, in der Ferdinand Karl Piëch, FKP genannt von 1965 bis zu seinem Ausscheiden 1972 bei Porsche dafür Sorge trug, dass aus dem Aussenseiter an der Strecke ein ernstzunehmender Gegner und ein Anwärter auf Siege wurde. Ja, mehr noch, Porsche war der Konkurrent, den es von Ferrari, Ford, Abarth usw. zu schlagen galt. Auf der Rundstrecke und am Berg, in Europa, Afrika und den USA. 

1000 km Nürburgring 1969

1000 km Nürburgring 1969. Porsche 917 feiert sein tragisches Debut.

O-Ton Piëch

Schimpf, bekennender Anhänger von Piëch und seinen Leistungen bei Porsche, Audi und später VW, spielte beim Schreiben des Buches in die Hände, dass er den Vater des Erfolges seit 50 Jahren persönlich kennt. Mehr noch, dieser ansonsten verschwiegene Piëch sich bereit erklärte, im Gegensatz zu seinen üblichen Ansicht, sich einmal umzudrehen und zurück zu blicken. Zum ersten Mal, und hierin besteht wohl die nicht zu unterschätzende Leistung, erfährt der Leser aus erster Hand von Piëch, wie er vorging. Was er von Fahrern hielt, worauf es ankam und warum es immer weiter gehen musste. Bis zum Le Mans Sieg, bis zum Gewinn der Bergeuropameisterschaft und zur Langstrecken WM.

Es gibt wohl kein Buch, dass Piëch bisher näher kam.

Blick hinter die Kulissen

Geradezu poetisch werden diese sieben Jahre von Schimpf erzählt und er flechtet die Rolle Piëchs in die Geschichte ein – ohne das Piëch umgebende Team -bestehend aus Helmut Bott, Hans Mezger, Peter Falk oder Rico Steinemann – zu vernachlässigen. Und arbeitet die Bedeutung der Fahrer heraus. Nicht zu kurz kommen dabei eben Piëch ’s persönliche Einschätzungen: Mitter hielt er für einen schnellen Mann, aber Stommelen war schneller…. und Rindt war ein Racer aber immer von den Journalisten umgeben. Ohne Anbiederung gelingt es Schimpf so die Rennwagenentwicklung bei Porsche mit der Person Piëchs zu verweben. Es entsteht ein Bild Piëchs, dass so gar nicht zu den Darstellungen aus den Medien passen mag. Ein akribischer, hartnäckiger, nur teilweise unverbesserlicher Arbeiter, ein Teamplayer aber auch, der den kleinen Kreis seiner Mitarbeiter geschickt nutzt, um innerhalb von wenigen Jahren technisch, aerodynamisch und leistungsmässig an die Spitze vorzudringen. Die Evolution von Piëch und Porsche funkelt an der Oberfläche. Umso spannender, wenn Piëch ausnahmsweise nicht auf seine Kommentare verzichtet und dabei auch aufblitzt, welch schelmisch wienerischen Humor dieser pflegen kann: „Ein paar Sekunden könnten’s noch schneller fahren. Habe ich ausgerechnet.“, hatte Piëch dem Toni Fischhaber im Ehra-Porsche am Rossfeld 1965 zugeflüstert. „Schmarrn“, soll dieser geantwortet haben, „wie soll jemand das ausrechnen können“. Piëch konnte und wollte. Und schon beim nächsten Rennen sass Dickschädel Fischhaber nicht mehr im Porsche. Doch die Anekdote ist noch nicht zu Ende, Schimpf klärt uns auf:. In seinem privaten BWM Rennwagen schlug Fischhaber die Porsches beim Heimrennen auf der Solitude, ein Triumph. Und Piëch setze Fischhaber just auch wieder ein.

Le Mans, damls wie heute. Für Piech zählt nur der Sieg an der Sarthe.

Was wäre Piëch ohne Porsche?

Von der Entwicklung des Porsche 911. Über den 904 GTS, Carrera 6, 910, 907, 909, 908 und 917 und auch der 914 in all ihren Derivaten, die Piëch teilweise für nur einen Einsatz entwickeln liess, stehen in diesem Buch die Wagen am Start, für die Piëch mit Rückendeckung seines Onkels Ferry Porsche und zum Groll des Betriebsrates die Entwicklungsabteilung bei Porsche teilweise bis an die Grenzen belasten liess. Leistung, Leichtbau und Luftwiderstand wurden bis an die Grenzen ausgelotet. Stahl durch Aluminium oder gar Titan ersetzt und der Windkanal sowie die Analyse – auch der Konkurrenz auf der Strecke – zum unverzichtbaren Instrument, um das Ego des FKP zu befriedigen. Mittelfristiges aber absolutes Ziel. Der Gesamtsieg in Le Mans. Sehr geändert hat der Mann sich also nicht in den letzten 50 Jahren. Audi ist seit 15 Jahren in Le Mans und  Porsche wird heute erneut auf den Le Mans Sieg angesetzt. Power, Leichtbau oder Aerodynamik hat Piëch auch bei Audi und VW in Serie und Motorsport voran getrieben. Nur zur Formel 1 kann Piëch keine Beziehung aufbauen. „Meine Formel 1 ist das Einliter-Auto, oder der Lupo 3L.“, lässt er sich vernehmen, und am Ende des Buches wird man den Eindruck nicht los, dass es entweder Bernie Ecclestone ist, der Piëch den Weg zur F1 versperrt oder einfach der aufgeregte Auftritt des F1 Zirkus. Oder gar beides, Klar ist, unter Piëch wird es immer Motorsport im VW-Konzern geben, nur nicht in der Formel 1.

Auch Begnadete benötigen einen guten Start. Unzweifelhaft war Ferry Porsche Piechs erster Mentor.

Siege, Triumphe, Anekdoten

Schimpf lässt aber nicht nur Piëch sprechen, ehemalige Mitarbeiter wie Porsche-Ur-Gestein Herbert Linge kommen genauso zu Wort wie Ex-Porsche-Werksfahrer Willi Kauhsen, der in wenigen eindrücklichen Sätzen erläutert, wie er und Larousse mit dem zweiten Platz 1970 in Le Mans mehr Geld kassierten als die Sieger Herrmann/Attwood. In Le Mans gab es neben dem Gesamtsieg und den Klassensiegen auch Indexsiege für den Verbrauch, die teilweise höher dotiert waren als das Preisgeld des Gesamtsiegers. Und weil Kauhsen/Larousse nicht auf den Gesamtsieg sondern auf Ankommen angesetzt waren: „(hat) die Box uns immer wieder eingebremst. Da haben wir halt herumgetrudelt und hatten diesen enorm niedrigen Verbrauch. So war das.“, lässt Kauhsen den Autor wissen. Nicht ohne anzufügen, dass sich die beiden Le Mans Zweitplatzierten und Indexsieger, das Geld cash von der Bank holten – es müssen mehr als 200’000 Fr. Francs gewesen sein – und auf dem Flug in die Ferien nach Südfrankreich im Flieger aufteilten. Worauf die Stewardess sie für Bankräuber hielt. Solche Geschichten hinter der Geschichte machen dieses Buch aus. Und zum Vergnügen des Lesers auch entsprechend dick. Lesenswert jeder Satz, keine Seite, auf der man sich langweilen könnte, sondern dichte Erzählung, aufgelockert mit zahlreichen Bildern auch in grossen und eindrücklichen Formaten, die die Geschichten hinter den Geschichten illustrieren.

Im Nachhinein seine schwierigste Entscheidung: 25 Sportprototypen vom Reissbrett ohne Test auf den Hof stellen.

Facts & Figures

Was wäre so eine Beschreibung einer Ära ohne die Faktenlage? Auch hier macht Schimpf die Sache perfekt. Zum ende porträtiert er Werksfahrer dieser Zeit, stellt klar, welche Bedeutung sie für Piëch hatten, nämlich nur Mittel zum Zweck zu sein, Umsetzer einer Deutungshoheit: „Porsche baut die besten Sportwagen der Welt.“. Dass Piëch dabei einige besonders bewunderte, die wie er Risiken eingingen, an die im Traum keiner dachte, wird ebenso erwähnt wie das gnadenlose Fazit dieser Risikobereitschaft:  Diese drei von Piëch besonders hoch geschätzten Fahrer liessen eben auch alle ihr Leben im Motorsport. Wesentliche Resultate dieser sieben Jahre hält eine Zeittafel für die Porscheeinsätze fest und Ferdinand Piëchs Leben fasst eine Zeittafel zusammen.

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Resumée:

Wie von Porsche und Piëch gewohnt, stimmen selbst bei diesem Buch das Preis-/Leistungsgewicht. Dem Autor Eckhard Schimpf ist es gelungen, eine Ära in Worten und Bilder zu einem fabelhaften Rückblick zu verschmeldzen. Mehr noch, eigentlich wünschen wir uns, es gäbe noch mehr solcher Bücher, die nicht nur gut aussehen, sondern auch gut ausgehen. Und die eine Ära auf erstehen lassen. Vielleicht von einer anderen Marke, aber im Stil des Autors.

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  • Gebundene Ausgabe: 220 Seiten
  • Verlag: Delius Klasing
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3768835936
  • ISBN-13: 978-3768835930
  • Größe und/oder Gewicht: 31,4 x 24,6 x 3,6 cm
  • http://www.delius-klasing.de/themen/auto

 

 

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From another point of view. Buchbesprechung: Hans Mezger: Porsche und ich.


Als Automobilbegeisterte hegen die meisten von uns insgeheim doch einen Wunsch. Rein ins Entwicklungszentrum unserer favorisierten Marke und einen Blick hinter die Kulissen erhaschen. Sehen, wo am Morgen gearbeitet wird. Staunen, was im Heute verworfen wurde und bewundern, was Gestern noch unmöglich schien. Aber den Allerallermeisten wird dieser Blick leider immer verwehrt bleiben. Gut, wenn ein Ingenieur uns einen Einblick in sein Leben und hinter den Mauern des Entwicklungszentrums zulässt. Hans Metzger, 37 Jahre Ingenieur bei Porsche, hat sein Leben im Entwicklungszentrum und an der Rennstrecke in einem Buch zusammengefasst. 

Fast 40 Jahre Porsche

„Porsche und ich“, lautet der Titel, in dem Autor Peter Morgan die Karriere des kleinen Jungen aus Ottmarsheim nahe Stuttgart vom jungen Maschinenbau-Absolventen, der 1956 bei Porsche eintritt nachzeichnet. Von den Anfängen in der der vom 356er geprägten Monokultur bis zum Übergang in das Entwicklerteam um Ferdinand Piech und dessen Truppe mit Helmut Bott, Peter Falk, die dann für den Aufstieg des Klassensiegers Porsche zum Gesamtsieger sorgen. Bis hin zur  Turbo-Ära der Formel 1 in der Kooperation mit McLaren oder dem Footwork Projekt der Indy-Serie.

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Hans Mezger war Team-Player. Auch wenn er gern die Richtung vorgab.

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Zahlencodes bei denen der Kenner mit der Zunge schnalzt, Meilensteine des Rennsports. Diese Porschetypennummern haben eins gemeinsam, Hans Metzger war der Schöpfer ihrer Motoren. Das Buch beschreibt ausführlich und chronologisch in 14 Kapiteln die Stationen von Hans Mezger bei Porsche. Hier erfährt man aus erster Hand, warum welche Entscheidungen getroffen wurden, welche Hindernisse es zu überwinden galt, und was letztendlich den Erfolg ausmachte.

Über 200 Seiten Porsche

Das gut und übersichtlich gestaltete Buch wirft einen ganz anderen Blick hinter die Kulissen von Porsche. Den Blick des Technikers. Aus seiner Sicht beschreibt Metzger seinen Lebensweg bei Porsche, erzählt Anekdoten und geht damit weit über die technische Abhandlung seiner Karriere hinaus. Das macht das Buch erst lesenswert. Der Leser taucht ein ins Entwicklungszentrum und erliest so Sieg oder Niederlage.

Le Mans, Formel 1 und Indy-Serie

Mezger war als verantwortlicher Ingenieur nicht nur im Konstruktionsbüro sondern wie bei Porsche üblich, eben an der Rennstrecke. Wer Ferdinand Piech kennt, weiss, dass Probleme so oder so gleich an der Strecke gelöst wurden. Ob die Siegeserie in Le Mans oder der Erfolg der Tag-Porsche-Motoren in der Formel 1. Mezger war dabei und war eine der zentralen Figuren, die bei Porsche Verantwortung trugen. Ohne Selbstbeweihräucherung geht Mezger dabei sowohl auf Erfolge als auch Rückschläge ein. Und analysiert die Momente seiner Karriere in einer beeindruckend offenen Art, als sei man selbst dabei gewesen.

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Porsche und die Formel 1.

Mezger und Co

In dem Buch wird deutlich, dass herausragende Leistungen keine Einzelmeisterschaft sind, sondern Teamplay. Und so ist das Buch auch ein Who ist who des Motorsports und seines Umfeldes. Ob Fahrer, Teamchefs, Sponsoren, Techniker, Journalisten, Presse oder Wirtschaft. Mezger war in seiner Position darin verankert und damit  tauchen viele bekannte Namen in ganz neuen Zusammenhängen auf.

Niki Lauda und Hans Mezger

Mezger arbeitete mit den Grössen des Motorsports zusammen. Vor und hinter den Kulissen.

Porsche und ich

So lautet der Titel und verweist zugleich auch auf die Nähe von Hans Mezger zur Familie Porsche (und Piech), mit der er sehr früh auch freundschaftlich verbunden war. Anders kann man sich das Leben und Engagement zwischen Werkstatt , Zeichenbrett und Rennstrecke wohl gar nicht vorstellen. Es muss eine grosse Familie gewesen sein, in der man gerne Mitglied gewesen wäre. Wenn es sich im Nachhinein sicher leichter liest als es gewesen sein muss, schildert das Buch auch dank der zahlreichen Abbidlungen das Leben eines genialen Konstrukteurs und grosser Motorsporterfolge aus einer ganz anderen Sicht. Der von Hans Mezger.

Bibliografie:

Porsche und ich, Die Erinnerungen von Hans Mezger und Peter Morgan

Format:  254 x 254, gebunden mit Schutzumschlag, 216 Seiten, 113 s/w- und 112 Farbabbildungen

Preis € 49,90

ISBN: 978-3-86852-305-8

Heel-Verlag

http://www.heel-verlag.de

 

 

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Ende einer Ikone: In Brasilien läuft am 19. Dezember 2013 der letzte VW Bus vom Band – nach 56 Jahren Bauzeit.


Er war der Transporter schlechthin: 56 Jahre lang wurden die Modellreihen T1 und T2 des legendären VW Bus in Brasilien gebaut. Insgesamt 1,12 Millionen Kombis und Transportern machten Millionen von brasilianischen Kleinunternehmern mobil, fanden ihren Weg in alle Arten von Flotten.

2013 wurde noch 26.000 T2 gebaut

26.000 Autos pro Jahr wurden zuletzt noch im VW-Werk Anchieta in Sao Paolo gebaut. Zusammengeschraubt wurden sie wie schon vor 50 Jahren, von Hand. Am Bulli-Band zischen keine Roboter hin und her, nirgends sprühen Funken. Stattdessen kriechen Gruppen von Arbeitern in die Rohkarosse, verrenken sich, um Lenkung, Sitze oder Elektrik zu montieren.

Sechs Stunden dauert der arbeitsintensive Durchlauf, bis der fertige Bulli aus der Werkshalle fährt. „Die Produktion ist so altmodisch wie das Auto“, bestätigt Werksleiter Sowade. „Aber die Technik erlaubt keine Automatisierung.“ Ganz grobe Patzer gleichen die Arbeiter der Endkontrolle aus. Sie wissen genau, wo sie hinschauen müssen, klopfen Dellen raus, biegen Krummes gerade. Was nicht passt, wird passend gemacht, notfalls mit Nachdruck. Schließt die Tür nicht, muss man sich eben dranhängen und die Scharniere in Form bringen.

Neupreis: 15.000 Euro

Zum Stückpreis von umgerechnet knapp über 15.000 Euro gab es Einfachsttechnik: keine Heizung, keine Servolenkung, kein Radio, keine elektrischen Fensterheber, aber eine Tonne Nutzlast. Und das ist letztlich was zählt in Brasilien. Ginge es nach VW, würde die Produktion noch weiterlaufen. Doch ab 2014 brauchen Neufahrzeuge in Brasilien ABS und Airbag – und die lassen sich in der Uralt-Karosse einfach nicht unterbringen. Deshalb heißt es nun bye bye Bulli. Zum Abschied lud VW zu einem Bullitreff nach Sao Paolo ein, und über 100 T1 und T2 aus ganz Brasilien kamen.

Als der Käfer krabbeln, pardon, laufen lernte.


Anfang der 1950er Jahre beauftragt VW einen Regisseur, einen Imagefilm über die noch junge Käfer-Produktion zu drehen. Er hält die Fertigung Schritt für Schritt im Bild fest. Zur Skizzierung des Filminhalts werden auch Fotos gemacht. Diese sind jetzt wieder aufgetaucht. Sie geben einen spannenden Einblick in die Arbeitswelt des Jahres 1953, als der Käfer noch weitgehend von Hand gefertigt wurde. Der frühere Volkswagen-Archivar Bernd Wiersch zeigt die Fotos in dem Bildband Als der Käfer laufen lernte, der im Delius Klasing Verlag erschienen ist.

Bernd Wiersch: „Als der Käfer laufen lernte“. Mit 181 Schwarzweißfotos, gebunden, 224 Seiten. ISBN 978-3-7688-3687-6. | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Ein Arbeiter befestigt das Dämmschutzvlies an der Wand zwischen Motor- und Passagierraum. | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Ein Arbeiter befestigt das Dämmschutzvlies an der Wand zwischen Motor- und Passagierraum. | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Die Endmontage der Karosserien, bevor sie mit dem Fahrgestell zusammengeführt werden | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Die Endmontage der Karosserien, bevor sie mit dem Fahrgestell zusammengeführt werden | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Ausschließlich für die exportierten VW Käfer wurden Beläge für die Bodenplatten genäht – im Standardmodell lagen Gummimatten im Fußraum. | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Ausschließlich für die exportierten VW Käfer wurden Beläge für die Bodenplatten genäht – im Standardmodell lagen Gummimatten im Fußraum. | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

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Lackierte Karosserien des VW Käfer im Volkswagen-Werk in Wolfsburg vor dem Transport in die Endmontage | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Montage der Getriebe | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Montage der Getriebe | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Der Rahmen einer Windschutzscheibe wird mit der Armaturentafel verschweißt. | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Der Rahmen einer Windschutzscheibe wird mit der Armaturentafel verschweißt. | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Die grundierte Karosserie wird poliert, um Unebenheiten zu beseitigen, die sich später im Lack abzeichnen würden. | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Die grundierte Karosserie wird poliert, um Unebenheiten zu beseitigen, die sich später im Lack abzeichnen würden. | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Der Farblack wird manuell aufgetragen. | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Der Farblack wird manuell aufgetragen. | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Vor 60 Jahren: Prototyp des Volkswagen Karmann Ghia wurde intern präsentiert: Bugbus.net gratuliert.


Mit Volkswagen Derivaten aus Osnabrück begann die Höherpositionierung der Marke. Dank des Karmann Ghia hatte Volkswagen seit Mitte der 50er-Jahre ein Auto im Programm, das oberhalb des Käfers seine Kunden fand. Der Prototyp feiert nun ein rundes Jubiläum, entstand er doch im Jahr 1953. Das intern im Rahmen des Pariser Automobilsalons präsentierte Auto ging 1955 in die Serienproduktion. Heute ist das Unikat einer der Stars der Automobilsammlung Volkswagen Osnabrück.

Zwei Jahrzehnte lang sorgten Volkswagen Karmann Ghia Typ 14 Coupé (1955 bis 1974) und Cabriolet (1957 bis 1974) für emotionale Momente.

Zwei Jahrzehnte lang sorgten Volkswagen Karmann Ghia Typ 14 Coupé (1955 bis 1974) und Cabriolet (1957 bis 1974) für emotionale Momente.

Mit dem in Osnabrück gebauten Karmann Ghia gelang es Volkswagen, einen spürbaren Akzent in Richtung Höherpositionierung zu setzen. Als Basis des von 1955 bis 1974 in fast 450.000 Einheiten gefertigten Fahrzeugs diente natürlich der Käfer. Wilhelm Karmann hatte Luigi Segre von der Carrozzeria Ghia in Turin Anfang 1953 mit der Umsetzung seiner Idee beauftragt – zunächst noch ohne Absprache mit Volkswagen. Ursprünglich war ein offener Sportwagen angedacht, realisiert wurde aber dann zunächst ein kleines Coupé.

Vor 60 Jahren – im Oktober 1953 – wurde das Auto in einer Garage in Paris dem Auftraggeber präsentiert, der zum Pariser Automobilsalon angereist war. Wilhelm Karmann war begeistert und zeigte den kleinen Schönling dann im November jenen Jahres dem ansonsten eher restriktiven Volkswagen Chef Heinrich Nordhoff. Weil dank des seit 1949 gefertigten Volkswagen Käfer Kabrioletts bereits ein enges Vertrauensverhältnis zwischen den Wolfsburgern und dem alteingesessenen, 1901 gegründeten Karosseriebau-Unternehmen aus Osnabrück bestand, konnte es Karmann wagen, diesen Vorstoß riskieren.

Aber der in einigen Details noch etwas rustikal anmutende Prototyp überzeugte den Volkswagen Generaldirektor. Der Serienbau war schnell beschlossene Sache, nachdem sich die Kostensituation nicht als Problem herausstellte. Die Zeit bis zum Produktionsanlauf wurde für den Feinschliff genutzt: Innenausstattung und Karosseriedetails wurden für die Serienversion modifiziert – wobei die bei Ghia erdachte Grundform des Fahrzeugs erhalten blieb. Die komplette Technik des intern Typ 14 genannten Karmann Ghia stammte vom Käfer; alle kommenden Entwicklungsschritte des Bestsellers wurden getreulich mitvollzogen.

1953 baute die Carozzeria Ghia im Auftrag von Karmann dieses attraktiv geformte Coupé auf. Im Vergleich zum späteren Serienmodell fehlen beispielsweise noch die charakteristischen „Nasenlöcher“.

1953 baute die Carozzeria Ghia im Auftrag von Karmann dieses attraktiv geformte Coupé auf. Im Vergleich zum späteren Serienmodell fehlen beispielsweise noch die charakteristischen „Nasenlöcher“.

Doch auch Wilhelm Karmanns Traum von einem offenen Wagen wurde schließlich Realität: Bei einer weiteren internen Präsentation in Wolfsburg sorgte das wiederum von Luigi Segre und seinem Team entworfene Cabriolet für Furore. 1957 startete die Serienfertigung des geöffneten Ablegers. Bis zum Produktionsende des Longsellers anno 1974 rollen 362.601 Coupés und 80.881 Cabriolets vom Band – auch der „Käfer im Sportanzug“ hat eine einzigartige Erfolgsgeschichte geschrieben.

Fast 450.000 Einheiten der schicken Käfer-Abkömmlinge entstanden bei Karmann in Osnabrück und in Brasilien.

Fast 450.000 Einheiten der schicken Käfer-Abkömmlinge entstanden bei Karmann in Osnabrück und in Brasilien.

Das Coupé-Unikat, das noch ohne Motor auskommen musste, gehört zur nicht öffentlichen Sammlung von Volkswagen Osnabrück. Zu besonderen Anlässen, wie der 5. Schloss Bensberg Classics (6. bis 8. September 2013) ist es auch außerhalb des Werkes zu bestaunen. Bei der Volkswagen Osnabrück GmbH werden aktuell das Golf Cabrio, die Porsche Modelle Boxster und Cayman sowie der Volkswagen XL1 hergestellt.

Basis des Karmann Ghia war der Volkswagen Käfer. Die Studie von 1953 wird einer der Stars der 5. Schloss Bensberg Classics vom 6. bis 8. September 2013 sein.

Basis des Karmann Ghia war der Volkswagen Käfer. Die Studie von 1953 wird einer der Stars der 5. Schloss Bensberg Classics vom 6. bis 8. September 2013 sein.

75 Jahre Volkswagenwerk. Wenn das ein Grund zum Feiern ist?


Adolf Hitler legte vor 75 Jahren den Grundstein für das VW-Werk im heutigen Wolfsburg. Doch nicht patriotische Emphase, sondern nüchternes Kalkül führten schließlich zur Entstehung einer Ikone.

Grundsteinlegung-f-r-Werk-des-KdF-Wagens

Die meisten Städte sind, wenn man so will, harmonisch gewachsen. Aus kleinen Anfängen werden sie, wenn ihre Lage dem förderlich ist, allmählich größer, Jahr um Jahr, Jahrzehnt um Jahrzehnt, Jahrhundert um Jahrhundert. Nicht so Wolfsburg. Die Stadt ist eine politische Gründung, die auf das Jahr 1937 zurückgeht und eher zufällig zustande kam.

Die Nationalsozialisten hatten beschlossen, ein neues Automobilwerk zu bauen, das die bisherigen – und in Privatbesitz befindlichen – an Größe und Ausstoß bei Weitem übertreffen sollte. Es war eine Planung am Reißbrett. Man entschied sich für die kleine Gemeinde Fallersleben, die zwischen Hannover und Magdeburg lag. Hier war 1798 August Heinrich Hoffmann von Fallersleben geboren worden, der das „Lied der Deutschen“, die spätere Nationalhymne, geschrieben hat.

Doch nicht patriotische Emphase, sondern nüchternes Kalkül führte zur Wahl dieses Standorts. Denn Fallersleben war ein verkehrstechnisch günstiger Ort: Es liegt nahe dem Mittellandkanal sowie nahe der Eisenbahnstrecke Berlin-Ruhrgebiet und der Autobahn von Berlin nach Hannover. Auch befanden sich in den nahen Städten Peine und Salzgitter Stahlwerke. Wolfsburg wurde ganz in der Nähe geplant, gewissermaßen als Schlafstadt für die künftigen Arbeiter des neuen Werks.

Sonderzüge in eine unwirtliche Gegend

Vor 75 Jahren am 26. Mai 1938 wurde mitten im Wald bei Fallersleben der Grundstein für das gelegt, was später das VW-Werk wurde. Das NS-Regime hatte immerhin 50.000 Menschen mit Sonderzügen in die unwirtliche Gegend karren lassen. Die Zeremonie der Grundsteinlegung dauerte ganze vier Stunden und wurde in voller Länge im Radio übertragen.

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Das war Teil einer groß angelegten Propagandakampagne, mit der das Regime für ein neues, für alle Bevölkerungsschichten erschwingliches Auto warb: für den „Volkswagen“. Adolf Hitler scheute sich zwar, das damals noch im Experimentierstadium befindliche Automobil so zu nennen, aber im Volksmund hieß es schon längst so.

Wie alle Massenveranstaltungen der Nationalsozialisten fiel auch diese martialisch aus. Vor der Rednertribüne standen drei Prototypen des künftigen Gefährts. Zuerst sprach Robert Ley, der Leiter der Deutschen Arbeitsfront (DAF), der das Thema preludierte. Diese Fabrik, rief er, sei für Adolf Hitler eine seiner wichtigsten Projekte.

Vier Gänge, vier Personen, Heckmotor

Danach erklärte ein anderer Redner die technischen Einzelheiten des Autos: vier Gänge, vier Personen, Heckmotor, komplette Stahlkarosserie – dieser „Volkswagen“ sollte schneller, komfortabler und robuster sein als die „Volkswagen“ der Italiener und Franzosen, der Fiat 500 und der 2CV. Nun trat Adolf Hitler an das Rednerpult und hielt eine seiner Reden, in denen er sich höhnisch über all jene erhob, die ihm mit Bedenken, Schwierigkeiten, Problemen und Zweifeln kamen.

Getragen von dem Siegesrausch, in den ihn der zwei Monate vorher vollzogene „Anschluss“ Österreichs an Deutschland versetzt hatte, spottete er über die Fachleute der Automobilindustrie, die ihm den Wagen für alle immer nur ausreden und ihm sagten, ein Auto, das nur 990 Reichsmark kosten sollte, sei schlicht nicht zu realisieren. „Ich hasse das Wort unmöglich“, rief er und prophezeite dem neuen Auto eine glanzvolle Zukunft. Er sollte gegen die Bedenkenträger recht behalten. Doch diese Zukunft begann erst, als Hitler tot und sein Reich zerstört war, im August 1945.

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Eine Woche nach der Grundsteinlegung veröffentlichte die „New York Times“ einen wohlwollenden Artikel über Hitlers Vorhaben, Deutschland nach den USA zum zweiten Land zu machen, in dem das Auto nicht mehr nur den Reichen vorbehalten sein soll. Es heißt dort: „Schon bald will Der Führer seine langen, wohlgestalteten Autobahnen mit Tausenden und Abertausenden von glänzenden kleinen Käfern übersäen, die vom Baltikum bis in die Schweiz und von Polen nach Frankreich schnurren.

Vaterland durch die Windschutzscheibe

„Vater, Mutter und bis zu drei Kinder werden drinnen sitzen und zum ersten Mal ihr Vaterland durch die eigene Windschutzscheibe sehen.“ Es ist das erste belegte Mal, dass das Auto „Käfer“ genannt wird. Und es fällt auf, wie groß der Autor mehr als ein Jahr vor dem Beginn des deutschen Eroberungskrieges Deutschland damals schon dimensioniert.

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Der VW trat spätestens mit dem Beginn der 50er-Jahre einen ungeheuren Siegeszug an. Er wurde, auch seiner Form wegen, zu einer automobilen Ikone, dessen Ruf fast um den ganzen Erdball ging. Das eiförmige Auto, das bis zur Einstellung der Produktion im Jahre 2003 in der Gestalt im wesentlichen unverändert blieb, fand ohne große stilistische Veränderungen seinen Weg über Länder- und Staatengrenzen hinweg.

Von den Nazis gegründet, die eine deutsche Welt wollten und den Kosmopolitismus hassten, wurde der VW zu einem universalistischen Mythos. Wie kam es dazu? War der VW eine Art trojanisches Pferd, das der Nationalsozialismus über seinen Untergang hinaus in die freie Welt schmuggelte?

Der VW als trojanisches Pferd

Man darf sich die Nazis nicht dümmer vorstellen als sie waren. Hitler, der Antisemit und Rassist, war zugleich von Amerika, dem Hort der „Plutokratie“, fasziniert. Als Deutschland geistig noch nicht aus dem Kutschenzeitalter herausgekommen war, liebte er schon Autos und Flugzeuge. Und er war ein Fan von Henry Ford, der in seinen Werken das erste auch für Arbeiter erschwingliche Automobil, den Ford T, bauen ließ, 15 Millionen Mal von 1908 bis 1927.

Auch zu Henry Ford, wie Hitler ein glühender Antisemit, hatten die Fachleute gesagt, ein erschwingliches Automobil sei nicht möglich. Da revolutionierte Ford die Produktion, führte das – vom Schlachthaus abgeguckte – Fließband ein, machte die Arbeiter erstmals zu Puppen, die von der Maschine betrieben wurden – und schuf mit dieser Degradierung der Handarbeit eben die Voraussetzungen für das Auto als Massenkonsumartikel.

Hitler war davon fasziniert, schon 1922 hing in seinem Münchner Büro ein Porträt des amerikanischen Autobauers, dem er später zu dessen 75. Geburtstag den höchsten deutschen Orden für Ausländer verleihen ließ. Und er schickte ganze Delegationen in die USA, die sich von Fords Art, Autos zu produzieren, inspirieren lassen sollten.

Instrument der Freiheit

Hitler liebte Geschwindigkeit und Tempo. Und er sah – wie Millionen Bundesbürger nach 1945 – im Auto ein Instrument der Freiheit. Der einzelne, sagte er in einer Rede, könne mit dem Auto frei verfügen, wann und wo er fahren möchte, der Reisende werde vom Diktat des Schienenverkehrs befreit. Wenn man will: freie Fahrt für freie Bürger.

Dabei hatte er gut erkannt, dass das teure, aber auch das erschwingliche Auto viel mehr als ein Transportmittel darstellt. Träume hatten sich an die Benzinkisten geheftet, und Hitler gab sich als der, der dem Volk den Volkswagen schenken und somit die automobile Volksgemeinschaft schaffen würde. Das Autofahren war eine Verheissung.

Nach einer Tour durch Bayern in einem Auto, das einem Kommilitonen gehört, schrieb der Student Helmut Hartmann am 13. April 1935 an seine „liebe Mutti“: „Um 8 Uhr kamen wir in München an. Ganz begeistert sind wir von der wunderbaren Fahrt. Was haben wir auch nicht alles gesehen! Niemals hätte ich mit der Bahn all diese Orte besuchen können. In einem Nachmittag haben wir in gemütlicher, überhaupt nicht anstrengender Fahrt die ganze Schönheit dieses Teiles von Oberbayern genossen!“

Die Planung setzte Hitler im Alleingang durch

Die Planung des Volkswagens setzte Hitler im Alleingang durch. Als der Reichsverband der Automobilindustrie die Aufgabe, die Unmöglichkeit eines erschwinglichen Autos zu beweisen, an eine Beratungsfirma abgab, machte er einen kapitalen Fehler. Den Auftrag erhielt das Unternehmen von Ferdinand Porsche Dieser war schon längst und unabhängig von Hitler von der Idee eines robusten und dennoch eleganten Billigautos fasziniert.

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Porsche fand in Hitler an allen Institutionen vorbei die Unterstützung, die er für die Entwicklung des Wagens brauchte. Es war gewissermaßen ein Triumph des Willens, ein Sieg über Routine und Alltag.

Weil die Automobilindustrie so zögerte, ging der Auftrag nicht an eines der deutschen Automobilunternehmen – es wurde vielmehr vom Staat etwas Neues gegründet, eben das Werk bei Fallersleben. Und auf gespenstische Weise war es tatsächlich ein Volkswerk.

Kraft durch Freude

Denn das beträchtliche Gründungskapital von 175 Millionen Reichsmark kam von der DAF. Diese hatte, nach der Zerschlagung der Gewerkschaften 1933, deren gesamten Vermögen – also vor allem die Beiträge der Gewerkschaftsmitglieder – an sich gerissen. Ein – erst einmal vollkommen marktferner – Staatsbetrieb, der auf Volksvermögen gegründet ist: Dieses Erbe von Planwirtschaft und Volksgemeinschaft ist VW – wo man ja immer stolz war auf die einvernehmlichen Sonderbeziehungen zwischen Kapital und Arbeit – später nur sehr langsam und nie vollständig losgeworden.

Zum Serienbau des Volkswagens, der damals nach der NS-Freizeitorganisation Kraft durch Freude KdF-Wagen genannt wurde, kam es nicht mehr. Zum einen, weil der Zweite Weltkrieg begann (in dem der Wagen zum Kübelwagen umgerüstet für militärische Zwecke gebaut wurde), zum andern, weil nicht genügend Kunden in der Lage und bereit waren, mit einem monatlichen Sparbetrag von fünf Reichsmark den Wagen vorzufinanzieren.

Viele, so heißt es in einem Bericht des Sicherheitsdienstes der SS, hätten kein Vertrauen in die Fähigkeit des Regimes, den Frieden zu wahren und das Auto wirklich zu bauen.

Rund 90 Prozent waren nicht zerstört

Als schon im August 1945 die Automobilproduktion in Wolfsburg wieder begann, profitierte sie in doppelter Hinsicht von der NS-Vorgeschichte des VW. Anders als die meisten anderen Betriebe, war das spätere VW-Werk in Wolfsburg, das bis 1945 „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ hieß, zu 90 Prozent nicht zerstört. VW konnte mit einer intakten Fabrik und einer voll ausgereiften Produktionsidee starten. Zehn Jahre später lief der millionste „Käfer“ vom Band.

Die Älteren, die damals darin saßen, wussten, wes Ursprungs das Gefährt war. Aber das vergaß sich bald. Mitte der 60er-Jahre war der VW, der lief und lief, ein unschuldiges Gebrauchsgut. Seine totalitäre, planwirtschaftliche Herkunft war vergessen. Das lustige und praktische Auto mit der Form hatte zwar Züge des damals wenig beachteten Art Déco – erschien den nachwachsenden Generationen aber als ein originäres Kind der Bundesrepublik: rund, praktisch, gut, freiheitsverheißend und zum Nierentisch passend.