75 Jahre Volkswagenwerk. Wenn das ein Grund zum Feiern ist?


Adolf Hitler legte vor 75 Jahren den Grundstein für das VW-Werk im heutigen Wolfsburg. Doch nicht patriotische Emphase, sondern nüchternes Kalkül führten schließlich zur Entstehung einer Ikone.

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Die meisten Städte sind, wenn man so will, harmonisch gewachsen. Aus kleinen Anfängen werden sie, wenn ihre Lage dem förderlich ist, allmählich größer, Jahr um Jahr, Jahrzehnt um Jahrzehnt, Jahrhundert um Jahrhundert. Nicht so Wolfsburg. Die Stadt ist eine politische Gründung, die auf das Jahr 1937 zurückgeht und eher zufällig zustande kam.

Die Nationalsozialisten hatten beschlossen, ein neues Automobilwerk zu bauen, das die bisherigen – und in Privatbesitz befindlichen – an Größe und Ausstoß bei Weitem übertreffen sollte. Es war eine Planung am Reißbrett. Man entschied sich für die kleine Gemeinde Fallersleben, die zwischen Hannover und Magdeburg lag. Hier war 1798 August Heinrich Hoffmann von Fallersleben geboren worden, der das „Lied der Deutschen“, die spätere Nationalhymne, geschrieben hat.

Doch nicht patriotische Emphase, sondern nüchternes Kalkül führte zur Wahl dieses Standorts. Denn Fallersleben war ein verkehrstechnisch günstiger Ort: Es liegt nahe dem Mittellandkanal sowie nahe der Eisenbahnstrecke Berlin-Ruhrgebiet und der Autobahn von Berlin nach Hannover. Auch befanden sich in den nahen Städten Peine und Salzgitter Stahlwerke. Wolfsburg wurde ganz in der Nähe geplant, gewissermaßen als Schlafstadt für die künftigen Arbeiter des neuen Werks.

Sonderzüge in eine unwirtliche Gegend

Vor 75 Jahren am 26. Mai 1938 wurde mitten im Wald bei Fallersleben der Grundstein für das gelegt, was später das VW-Werk wurde. Das NS-Regime hatte immerhin 50.000 Menschen mit Sonderzügen in die unwirtliche Gegend karren lassen. Die Zeremonie der Grundsteinlegung dauerte ganze vier Stunden und wurde in voller Länge im Radio übertragen.

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Das war Teil einer groß angelegten Propagandakampagne, mit der das Regime für ein neues, für alle Bevölkerungsschichten erschwingliches Auto warb: für den „Volkswagen“. Adolf Hitler scheute sich zwar, das damals noch im Experimentierstadium befindliche Automobil so zu nennen, aber im Volksmund hieß es schon längst so.

Wie alle Massenveranstaltungen der Nationalsozialisten fiel auch diese martialisch aus. Vor der Rednertribüne standen drei Prototypen des künftigen Gefährts. Zuerst sprach Robert Ley, der Leiter der Deutschen Arbeitsfront (DAF), der das Thema preludierte. Diese Fabrik, rief er, sei für Adolf Hitler eine seiner wichtigsten Projekte.

Vier Gänge, vier Personen, Heckmotor

Danach erklärte ein anderer Redner die technischen Einzelheiten des Autos: vier Gänge, vier Personen, Heckmotor, komplette Stahlkarosserie – dieser „Volkswagen“ sollte schneller, komfortabler und robuster sein als die „Volkswagen“ der Italiener und Franzosen, der Fiat 500 und der 2CV. Nun trat Adolf Hitler an das Rednerpult und hielt eine seiner Reden, in denen er sich höhnisch über all jene erhob, die ihm mit Bedenken, Schwierigkeiten, Problemen und Zweifeln kamen.

Getragen von dem Siegesrausch, in den ihn der zwei Monate vorher vollzogene „Anschluss“ Österreichs an Deutschland versetzt hatte, spottete er über die Fachleute der Automobilindustrie, die ihm den Wagen für alle immer nur ausreden und ihm sagten, ein Auto, das nur 990 Reichsmark kosten sollte, sei schlicht nicht zu realisieren. „Ich hasse das Wort unmöglich“, rief er und prophezeite dem neuen Auto eine glanzvolle Zukunft. Er sollte gegen die Bedenkenträger recht behalten. Doch diese Zukunft begann erst, als Hitler tot und sein Reich zerstört war, im August 1945.

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Eine Woche nach der Grundsteinlegung veröffentlichte die „New York Times“ einen wohlwollenden Artikel über Hitlers Vorhaben, Deutschland nach den USA zum zweiten Land zu machen, in dem das Auto nicht mehr nur den Reichen vorbehalten sein soll. Es heißt dort: „Schon bald will Der Führer seine langen, wohlgestalteten Autobahnen mit Tausenden und Abertausenden von glänzenden kleinen Käfern übersäen, die vom Baltikum bis in die Schweiz und von Polen nach Frankreich schnurren.

Vaterland durch die Windschutzscheibe

„Vater, Mutter und bis zu drei Kinder werden drinnen sitzen und zum ersten Mal ihr Vaterland durch die eigene Windschutzscheibe sehen.“ Es ist das erste belegte Mal, dass das Auto „Käfer“ genannt wird. Und es fällt auf, wie groß der Autor mehr als ein Jahr vor dem Beginn des deutschen Eroberungskrieges Deutschland damals schon dimensioniert.

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Der VW trat spätestens mit dem Beginn der 50er-Jahre einen ungeheuren Siegeszug an. Er wurde, auch seiner Form wegen, zu einer automobilen Ikone, dessen Ruf fast um den ganzen Erdball ging. Das eiförmige Auto, das bis zur Einstellung der Produktion im Jahre 2003 in der Gestalt im wesentlichen unverändert blieb, fand ohne große stilistische Veränderungen seinen Weg über Länder- und Staatengrenzen hinweg.

Von den Nazis gegründet, die eine deutsche Welt wollten und den Kosmopolitismus hassten, wurde der VW zu einem universalistischen Mythos. Wie kam es dazu? War der VW eine Art trojanisches Pferd, das der Nationalsozialismus über seinen Untergang hinaus in die freie Welt schmuggelte?

Der VW als trojanisches Pferd

Man darf sich die Nazis nicht dümmer vorstellen als sie waren. Hitler, der Antisemit und Rassist, war zugleich von Amerika, dem Hort der „Plutokratie“, fasziniert. Als Deutschland geistig noch nicht aus dem Kutschenzeitalter herausgekommen war, liebte er schon Autos und Flugzeuge. Und er war ein Fan von Henry Ford, der in seinen Werken das erste auch für Arbeiter erschwingliche Automobil, den Ford T, bauen ließ, 15 Millionen Mal von 1908 bis 1927.

Auch zu Henry Ford, wie Hitler ein glühender Antisemit, hatten die Fachleute gesagt, ein erschwingliches Automobil sei nicht möglich. Da revolutionierte Ford die Produktion, führte das – vom Schlachthaus abgeguckte – Fließband ein, machte die Arbeiter erstmals zu Puppen, die von der Maschine betrieben wurden – und schuf mit dieser Degradierung der Handarbeit eben die Voraussetzungen für das Auto als Massenkonsumartikel.

Hitler war davon fasziniert, schon 1922 hing in seinem Münchner Büro ein Porträt des amerikanischen Autobauers, dem er später zu dessen 75. Geburtstag den höchsten deutschen Orden für Ausländer verleihen ließ. Und er schickte ganze Delegationen in die USA, die sich von Fords Art, Autos zu produzieren, inspirieren lassen sollten.

Instrument der Freiheit

Hitler liebte Geschwindigkeit und Tempo. Und er sah – wie Millionen Bundesbürger nach 1945 – im Auto ein Instrument der Freiheit. Der einzelne, sagte er in einer Rede, könne mit dem Auto frei verfügen, wann und wo er fahren möchte, der Reisende werde vom Diktat des Schienenverkehrs befreit. Wenn man will: freie Fahrt für freie Bürger.

Dabei hatte er gut erkannt, dass das teure, aber auch das erschwingliche Auto viel mehr als ein Transportmittel darstellt. Träume hatten sich an die Benzinkisten geheftet, und Hitler gab sich als der, der dem Volk den Volkswagen schenken und somit die automobile Volksgemeinschaft schaffen würde. Das Autofahren war eine Verheissung.

Nach einer Tour durch Bayern in einem Auto, das einem Kommilitonen gehört, schrieb der Student Helmut Hartmann am 13. April 1935 an seine „liebe Mutti“: „Um 8 Uhr kamen wir in München an. Ganz begeistert sind wir von der wunderbaren Fahrt. Was haben wir auch nicht alles gesehen! Niemals hätte ich mit der Bahn all diese Orte besuchen können. In einem Nachmittag haben wir in gemütlicher, überhaupt nicht anstrengender Fahrt die ganze Schönheit dieses Teiles von Oberbayern genossen!“

Die Planung setzte Hitler im Alleingang durch

Die Planung des Volkswagens setzte Hitler im Alleingang durch. Als der Reichsverband der Automobilindustrie die Aufgabe, die Unmöglichkeit eines erschwinglichen Autos zu beweisen, an eine Beratungsfirma abgab, machte er einen kapitalen Fehler. Den Auftrag erhielt das Unternehmen von Ferdinand Porsche Dieser war schon längst und unabhängig von Hitler von der Idee eines robusten und dennoch eleganten Billigautos fasziniert.

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Porsche fand in Hitler an allen Institutionen vorbei die Unterstützung, die er für die Entwicklung des Wagens brauchte. Es war gewissermaßen ein Triumph des Willens, ein Sieg über Routine und Alltag.

Weil die Automobilindustrie so zögerte, ging der Auftrag nicht an eines der deutschen Automobilunternehmen – es wurde vielmehr vom Staat etwas Neues gegründet, eben das Werk bei Fallersleben. Und auf gespenstische Weise war es tatsächlich ein Volkswerk.

Kraft durch Freude

Denn das beträchtliche Gründungskapital von 175 Millionen Reichsmark kam von der DAF. Diese hatte, nach der Zerschlagung der Gewerkschaften 1933, deren gesamten Vermögen – also vor allem die Beiträge der Gewerkschaftsmitglieder – an sich gerissen. Ein – erst einmal vollkommen marktferner – Staatsbetrieb, der auf Volksvermögen gegründet ist: Dieses Erbe von Planwirtschaft und Volksgemeinschaft ist VW – wo man ja immer stolz war auf die einvernehmlichen Sonderbeziehungen zwischen Kapital und Arbeit – später nur sehr langsam und nie vollständig losgeworden.

Zum Serienbau des Volkswagens, der damals nach der NS-Freizeitorganisation Kraft durch Freude KdF-Wagen genannt wurde, kam es nicht mehr. Zum einen, weil der Zweite Weltkrieg begann (in dem der Wagen zum Kübelwagen umgerüstet für militärische Zwecke gebaut wurde), zum andern, weil nicht genügend Kunden in der Lage und bereit waren, mit einem monatlichen Sparbetrag von fünf Reichsmark den Wagen vorzufinanzieren.

Viele, so heißt es in einem Bericht des Sicherheitsdienstes der SS, hätten kein Vertrauen in die Fähigkeit des Regimes, den Frieden zu wahren und das Auto wirklich zu bauen.

Rund 90 Prozent waren nicht zerstört

Als schon im August 1945 die Automobilproduktion in Wolfsburg wieder begann, profitierte sie in doppelter Hinsicht von der NS-Vorgeschichte des VW. Anders als die meisten anderen Betriebe, war das spätere VW-Werk in Wolfsburg, das bis 1945 „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ hieß, zu 90 Prozent nicht zerstört. VW konnte mit einer intakten Fabrik und einer voll ausgereiften Produktionsidee starten. Zehn Jahre später lief der millionste „Käfer“ vom Band.

Die Älteren, die damals darin saßen, wussten, wes Ursprungs das Gefährt war. Aber das vergaß sich bald. Mitte der 60er-Jahre war der VW, der lief und lief, ein unschuldiges Gebrauchsgut. Seine totalitäre, planwirtschaftliche Herkunft war vergessen. Das lustige und praktische Auto mit der Form hatte zwar Züge des damals wenig beachteten Art Déco – erschien den nachwachsenden Generationen aber als ein originäres Kind der Bundesrepublik: rund, praktisch, gut, freiheitsverheißend und zum Nierentisch passend.

Gelb und schwarz und rennen kann er auch. Fertig ist der Gelb-Schwarze-Renner.


Ab sofort bestellbar: Der Volkswagen Beetle GSR
Weltweit nur 3.500 Exemplare – die Jagd beginnt

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Sportlichster Beetle startet mit 210 PS starkem Turbomotor
Legendäre Käfer-Version liefert Vorlage für den Beetle GSR

Wolfsburg, 17. Mai 2013 – Ab heute ist der auf pure Dynamik ausgelegte Beetle bestellbar – der neue GSR mit 155 kW / 210 PS. Hinter dem Kürzel verbirgt sich ein legendärer Vorgänger: der auf dem Käfer 1303 S basierende „Gelb-Schwarze Renner“. Und auch den gab es nur 3.500 Mal.

Vor genau 40 Jahren debütierte dieser sportlichste Serien-Käfer aller Zeiten. Erkennungszeichen: die gelb-schwarze Karosserie. Jetzt setzt Volkswagen die Geschichte der Ikone mit dem neuen Beetle GSR fort. Wie der Vorfahre, geht auch die aktuelle Version als zweifarbige Ausführung an den Start. Ab Herbst wird geliefert. Preis in Deutschland: 30.300 Euro.

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Im Hinblick auf die Optik hat Volkswagen das Konzept des 70er-Jahre-GSR mit dem Beetle GSR konsequent in die Neuzeit transferiert: Analog zum GSR von einst ist die Karosserie der Neuauflage in Gelb gehalten. Schwarz sind beim neuen Beetle GSR ebenfalls die Hauben (Dekorfolien), darüber hinaus aber auch das Dach (lackiert) und die Außenspiegelkappen. Schwarz-gelbe Streifen mit den Buchstaben „GSR“ individualisieren oberhalb der Seitenschweller die Silhouette. Gelb lackierte Stoßfänger im neuen R-Line-Design und ein natürlich gelb-schwarzer Heckspoiler komplettieren die GSR-Optik. Anders als der Käfer, kann der Beetle GSR alternativ in „Platinumgrey / Schwarz“ bestellt werden.

Eine Welt liegt zwischen den vor 40 Jahren auch im Bereich sportlicher Autos üblichen 15-Zoll-Stahlfelgen (mit 175er Reifen) und den beim Beetle GSR eingesetzten 19-Zoll-Leichtmetallfelgen des Typs „Tornado“ (schwarz lackiert) mit Reifen der Dimension 235/40.

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Im schwarz-gelben Interieur des GSR von einst sorgten ein Sportlederlenkrad und Sportsitze für ein Plus an Käfer-Dynamik. Vier Jahrzehnte später sind es ergonomisch ausgefeilte und auch für Rennstrecken taugliche R-Line-Sportsitze (mit Stoffbezügen und gelben Kontrastnähten; US-Version mit schwarzer Lederausstattung), ein griffiges Ledersportlenkrad (ebenfalls gelbe Kontrastnähte) mit R-Line-Logo und eine Limited-Edition-Plakette mit der Sonderseriennummer (1 bis 3.500), die den GSR besonders auszeichnen.

Ebenfalls serienmäßig an Bord: Zusatzinstrumente, Bi-Xenonschein-werfer, Climatronic, Licht-und Sichtpaket, Winterpaket, R-Line-Dashpad (Designblende für die Instrumententafel), GSR-Schalthebel, Handbremshebel in Leder und schwarze Fußmatten mit gelber Kontrastbestickung. Die Heck-und Seitenscheiben sind zu 65 Prozent abgedunkelt.

Vor 40 Jahren reichten dem gelb-schwarzen Käfer genau 50 PS, um die Welt der Kompaktwagen aus den Angeln zu heben. Doch diese Welt dreht sich längst schneller: Und so beschleunigt der neue Beetle GSR mit seinem 210-PS-Motor in nur 7,3 Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 229 km/h an. Bemerkenswerter als die reinen Fahrleistungen ist indes die Drehmomentcharakteristik des Beetle GSR: Schon ab 1.700 U/min stellt der Turbomotor sein Drehmoment-maximum von 280 Nm zur Verfügung; bis 5.200 U/min bleibt dieser Wert konstant auf diesem hohen Niveau. Dem gegenüber steht ein in Anbetracht der Dynamik niedriger Durchschnittsverbrauch von 7,3 l/100 km. Optional kann der neue Beetle GSR alternativ zur 6-Gang-Handschaltung weltweit mit einem automatisch schaltenden 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) bestellt werden.

Die Allianz aus Performance, Design, Ausstattung und limitierter Stückzahl wird den Beetle GSR schnell zu einem Sammlerstück machen. So war es auch beim Käfer 1303 S – er gehört heute zu den teuersten und gesuchtesten 70er-Jahre-Versionen des damals erfolgreichsten Automobils der Welt. Insofern dürfte es spannend werden, wie der Beetle GSR im Jahre 2053 taxiert wird. Wir werden berichten…

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Der Gelb-schwarze Renner ist zurück.


Weltweit nur 3.500 Exemplare: Volkswagen präsentiert neuen Beetle GSR in Chicago. Der sportlichste Beetle startet mit 210 PS starkem Turbomotor. Dabei liefert die legendäre Käfer-Version die Vorlage für den Beetle GSR.

Volkswagen bringt einen auf pure Dynamik ausgelegten Beetle ins Spiel: den neuen GSR. Das 155 kW / 210 PS starke Exklusivmodell steht vom 7. bis 18. Februar als Weltpremiere im Rampenlicht der Chicago Auto Show. Limitierte Auflage: 3.500 Exemplare; weltweit. GSR – dahinter verbirgt sich eine kuriose Abkürzung und ein legendärer Vorgänger: der auf dem Käfer 1303 S basierende „Gelb-Schwarze Renner“. Und auch den gab es nur 3.500 Mal. Vor genau 40 Jahren debütierte dieser sportlichste Serien-Käfer aller Zeiten. Erkennungszeichen: die gelb-schwarze Karosserie. 2013 setzt Volkswagen die Geschichte der Ikone mit dem neuen Beetle GSR fort. Wie der Vorfahre, geht auch die aktuelle Version als zweifarbige Ausführung an den Start. Ab Mai wird der Beetle GSR bestellbar sein; ab Herbst wird geliefert. Preis in Deutschland: 30.300 Euro.



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Im Hinblick auf die Optik hat Volkswagen das Konzept des 70er-Jahre-GSR mit dem Beetle GSR konsequent in die Neuzeit transferiert: Analog zum GSR von einst ist die Karosserie der Neuauflage in Gelb gehalten. Die Hauben des 73er Käfers waren in mattem Schwarz lackiert, ebenso die Stoßstangen; schwarze Zierleisten unterhalb der Seitenscheiben und schwarz-gelbe Seitenstreifen über den Schwellern komplettierten den Look. Gelb und Schwarz schlagen nun die Brücke über die Jahrzehnte: Schwarz sind beim neuen Beetle GSR ebenfalls die Hauben, darüber hinaus aber auch das Dach und die Außenspiegelkappen. Schwarz-gelbe Streifen mit den Buchstaben „GSR“ individualisieren oberhalb der Seitenschweller die Silhouette. Gelb lackierte Stoßfänger im neuen R-Line-Design und ein natürlich gelb-schwarzer Heckspoiler komplettieren die GSR-Optik. Anders als der Käfer, kann der Beetle GSR alternativ in „Platinumgrey / Schwarz“ bestellt werden.

Eine Welt liegt zwischen den vor 40 Jahren auch im Bereich sportlicher Autos üblichen 15-Zoll-Stahlfelgen (mit 175er Reifen) und den beim Beetle GSR eingesetzten 19-Zoll-Leichtmetallfelgen des Typs „Tornado“ (schwarz lackiert) mit Reifen der Dimension 235/40.

Im schwarz-gelben Interieur des GSR von einst sorgten ein Sportlederlenkrad und Sportsitze für ein Plus an Käfer-Dynamik.

 

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Vier Jahrzehnte später sind es ergonomisch ausgefeilte und auch für Rennstrecken taugliche R-Line-Sportsitze (mit Stoffbezügen und gelben Kontrastnähten; US-Version mit schwarzer Lederausstattung), ein griffiges Ledersportlenkrad (ebenfalls gelbe Kontrastnähte) mit R-Line-Logo und eine Limited-Edition-Plakette mit der Sonderseriennummer (1 bis 3.500), die den GSR besonders auszeichnen. Ebenfalls an Bord: R-Line-Dashpad (Designblende für die Instrumententafel), GSR-Schalthebel, Handbremshebel in Leder und schwarze Fußmatten mit gelber Kontrastbestickung.

Vor 40 Jahren reichten dem gelb-schwarzen Käfer genau 50 PS, um die Welt der Kompaktwagen aus den Angeln zu heben. Doch diese Welt dreht sich längst schneller: Und so beschleunigt der neue Beetle GSR mit seinem 210-PS-Motor in nur 7,3 Sekunden auf 100 km/h (0-60 mph in 6,6 s). Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 229 km/h (130 mph) an. Bemerkenswerter als die reinen Fahrleistungen ist indes die Drehmomentcharakteristik des Beetle GSR: Schon ab 1.700 U/min stellt der Turbomotor sein Drehmomentmaximum von 280 Nm zur Verfügung; bis 5.200 U/min bleibt dieser Wert konstant auf diesem hohen Niveau. Dem gegenüber steht ein in Anbetracht der Dynamik niedriger Durchschnittsverbrauch von 7,3 l/100 km. Optional kann der neue Beetle GSR alternativ zur 6-Gang-Handschaltung weltweit mit einem automatisch schaltenden 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) bestellt werden.

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Die Allianz aus Performance, Design, Ausstattung und limitierter Stückzahl wird den Beetle GSR schnell zu einem Sammlerstück machen. So war es auch beim Käfer 1303 S – er gehört heute zu den teuersten und gesuchtesten 70er-Jahre-Versionen des damals erfolgreichsten Automobils der Welt. Insofern dürfte es spannend werden, wie der Beetle GSR im Jahre 2053 taxiert wird. Wir werden berichten…

 

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Ein Bild und seine Geschichte. Heute: Wirtschaftswunder.


1955,  Dervio, Lago di Como, Italien. Hier nahm der Fotoamateur Alberto (Nino) Galbia dieses Bild auf. Er fokussiert auf die Seitenansicht eines Fahrzeugs mit geöffneter Haube. Unser Blick wird dabei am rechten Kotflügel eines anderen Autos vorbei und an der linken Zeltflanke nach hinten geführt, wo der Blick durch den Wald aufgehalten wird. 

1955, Jahr des Wohlstandes? Woher kommen die Autos, es sind deutsche Fabrikate, links der mächtige Kotflügel eines Opel Kapitän. Dieses Oberklassemodell aus Rüsselsheim war bereits in seiner 2. Version nach dem Krieg auf dem Markt. Im Herbst 1953 erhielt der überarbeitete Kapitän ’54 eine Pontonkarosserie im amerikanischen Stil mit einem markanten „Haifischmaul“-Kühlergrill. Alle Türen waren jetzt vorn angeschlagen und auch die Frontscheibe ungeteilt. Die Leistung des Motors stieg auf 50 kW (68 PS), die Höchstgeschwindigkeit auf 138 km/h. In seiner Produktionszeit von November 1953 bis Juli 1955 wurden 61.543 Exemplare gebaut. Der Kaufpreis betrug 9.500 DM (ab 3. Januar 1955: 8.990 DM). Das war eine Menge Geld. Ein Auto für Reiche, für die, die es geschafft hatten, man konnte an den Gardasee reisen, man leistete sich etwas. Im Hintergrund ein Käfer, das Sinnbild des deutschen Wirtschaftswunders. Ein Exportmodell, ohne Rheumaklappen aber mit Ausstellfenstern. Ob es ein Brezel ist oder schon die feierliche Einfahrt des neuen Ovalis? Im Jahr des 1 Million-Käfers hat VW die Preise gesenkt, 4’600.– DM waren nun zum Volkswagen-Händler zu bringen, um das gute Stück sein eigen zu nennen.

1955, Campingplatz in Italien? Drei Welten prallen aufeinander. Vorne hat man es geschafft, die Kargheit im Gesicht ist gewichen, man überholt links und hat bewusst auf einen Mercedes verzichtet, weil der Opel dem american way of life standesgemäss repräsentiert. Hinten ist man auch schon wer, wenn auch zum halben Einstandspreis. Die lange Dachantenne lässt auf guten Empfang im Käfer schliessen, so dass man auch draussen noch prächtig mit lauschen kann. Während der zarte Kofferaum des Käfers wohl Zelt, Schlafsack, Decke und Rücksäcke schluckt, hat der Opel auch noch Platz für Grill, Stuhl, Campingschränkchen und Obstschale. Man will sich ja  nicht nur im Auto wie zu Hause fühlen. Denn drum herum, wer weiss, ob in Italien, 1955…? Dolce fa niente.

 

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Nach dem Käfer ist vor dem Käfer.


Mehr als sechzig Jahre variierte man bei Volkswagen ein und dieselbe Grundidee und pries die Verbesserungen an neuen Blinkergläsern, geschäumten Armaturenbrettern oder einem Waschwassermotor wie bei anderen Herstellern gänzlich neu entwickelte Modelle. Irgendwann war es dann aber doch so weit. Die Zeit für den Käfer war in Deutschland (fast) abgelaufen. Zuvor erschien mit dem 1303 aber noch die letzte Ausbaustufe, die so dann auch ausserhalb Deutschlands nicht weiter gebaut wurde. 

1303 Cabriolet, heute begehrt, damals eher als Sicherheitsrisiko abgetan.

Der Volkswagen 1303 von 1972 wurde von den Lesern der Auto Bild Klassik zum „Klassiker des Jahres 2012“ in der Kategorie „Kleinwagen und Kompakte“ gewählt. Mit 8.432 Stimmen gewann er die zum dritten Mal vergebene Auszeichnung mit deutlichem Abstand vor seinen neun Mitbewerbern.

Das 03-Heck, grosse Leuchten, Elefantenfüsse genannt, waren die Antwort auf gestiegene Sicherheitsanforderungen.

Vor 40 Jahren stellte der 1303 die finale Ausbaustufe der jahrzehntelangen Entwicklung des Käfers dar. Auf Basis seines direkten Vorläufers, dem 1302, wurde er vor allem mit dem Ziel weiterentwickelt, den Käfer in der Heimat wie auch auf den weltweiten Exportmärkten für die verschärften Sicherheitsbestimmungen fit zu machen. Und so waren es vor allem Sicherheitsmerkmale, die den 1303 äußerlich sofort zu erkennen gaben: Die gewölbte Windschutzscheibe vergrößerte den Abstand zu den Köpfen der vorderen Insassen, die großen, weithin sichtbaren Dreikammer-Rückleuchten (heute von Liebhabern „Elefantenfüße“ genannt) prägten das Heck.

Das Röntgenbild offenbart: Die Idee Käfer basiert auf einem Rahmen und einer Idee aus den 30er Jahren.

Im Innenraum hielt ein großer, gepolsterter Instrumententräger Einzug. Im Falle eines Frontalzusammenstoßes entschärften Kipp- statt Zugschalter das Sicherheitsrisiko zusätzlich. Das aufwändige Fahrwerk mit McPherson-Federbeinen vorn und der Doppelgelenk-Hinterachse übernahm der 1303 ebenso wie die Motoren vom 1302. Mit bis zu 50 PS aus 1,6 Litern Hubraum konnte der Käfer mit zuvor nie erahnten Fahrleistungen auftrumpfen.

Als es noch ausreichte, die Haube mattschwarz zu lackieren und ein bisschen peppig zu wirken, um schneller zu sein. Der gelb-schwarze Renner.

Einen besonderen Höhepunkt in der Modellgeschichte des Superkäfer stellte der 1973 präsentierte 1303 S „Gelb-Schwarzer Renner“ dar. Die namensgebende saturngelbe Lackierung mit mattschwarzen Hauben sorgte für einen betont sportlichen Auftritt bei unveränderter Technik. Mit nur 3’500 gebauten Exemplaren ist er heute eine gesuchte Rarität.

 

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Von einem, von Hundertausend und von einer Million.


Wolfsburg im Mai 1955. Es war ein immenser Besucherandrang. Galt es doch die  erste Käfermillion zu feiern. Zu den Feierlichkeiten strömten mehr als 100.000 Menschen in das VW-Werk. Die meisten kamen dabei extra für diesen Anlass angereist – und man darf nicht vergessen,  die Stadt selbst hatte damals gerade mal 40.000 Einwohner.

Ein Jahr hatten die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten anlässlich des einmillionsten Käfers gedauert, drei Tage währte das Fest selbst. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von VW 1982-92, Carl Hahn, der bereits in den 50er Jahren bei VW tätig war, erinnert sich:  „Es war ein unglaublicher Organisationsaufwand“, erklärt Hahn: „Damals landete man nicht einfach per Flugzeug in Frankfurt. Die ganzen Nicht-Europäer wurden per Schiff herangeschafft. Die waren oft wochenlang unterwegs“, so Carl Hahn.

Aus allen Teilen der Welt, in denen Volkswagen irgendwie vertreten war, wurde eine Delegation herbeigeschafft, die Landestypisches zu den Feierlichkeiten beitragen sollte. „Über die brasilianischen Tänzerinnen freute sich die Dorfjugend ganz besonders“, erinnert sich Carl Hahn. Dass damals mehr als 100.000 Besucher nach Wolfsburg strömten, als dort am 6. August 1955 die Fertigstellung des einmillionsten VW Käfers gefeiert wurde, mag ja noch verständlich sein. Aber wo haben die denn alle übernachtet?

Wer hätte mit diesem Erfolg gerechnet. 10 Jahre zuvor lag Deutschland in Schutt und Asche und nun lieferte man schieder in die ganze Welt. Der Käfer sollte es seinem Mentor zeigen wie man die Welt erobert. Mit Charme und Zuverlässigkeit. So war man in Wolfsburg zu recht stolz auf das Erreichte und kam aus dem Feiern gar nicht mehr heraus

Zu Carl Horst Hahn: Er wurde 1926 in Chemnitz geboren. 1953 wurde Hahn als Assistent des Generladirektors Nordhoff eingestellt. Nur wenige Monate später konnte Hahn sich Leiter der Verkaufsförderung  im Exportgeschäft nennen. 1958 dann wurde Hahn an die Spitze von VW of America berufen. Erfolgreich war er dort auch mit bemerkenswerten und originellen Werbekampagnen. Es gelang ihm für den VW-Käfer und den VW-Bus einen soliden Markt und ein ebensolches Image aufzubauen. 1965 ging er zurück zu VW nach Europa, verliess das Unternehmen 1972, er ging zu Continental, wovon er 1992 wieder an die Spitze zu VW wechselte, die er bis 1992 inne hatte.

Im hellen Anzug lacht und strahlt bei Carl Hahns Antrittsbesuch in San Francisco Reynold C. Johnson, der VW- Vertragsgroßhändler für Nordkalifornien. Neben ihm der großartige VW-Exportchef Manuel Hinke (aus Peru); Ganz rechts: Alfred Kalmbach, verantwortlich für die USA westlich des Mississippi. Karmann Ghia Coupés und Cabrios wurden damals zu 50 Prozent in den USA verkauft. Heute haben sie Kult-Status.

 

 

Welcome Home Weekend mit Prof. Dr. Dr. h. c. Hahn in Wolfsburg.


Der Käfer Club Wolfsburg e. V. eröffnet sein drittes Welcome Home Weekend am kommenden Freitag, 27. April 2012 um 19.00 Uhr mit einem Vortrag von Prof. Dr. Dr. Carl Horst Hahn im AutoMuseum Volkswagen. Ein weiterer Höhenpunkt der Veranstaltung ist der traditionelle Käfer-Corso durch Volkswagenwerk und Stadt, der am AutoMuseum Volkswagen endet.

Die Gäste der Lesung von Prof. Dr. Dr. Carl H. Hahn dürfen sich auf einen interessanten Vortrag des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG freuen. Carl Hahn wird interessante Einblicke in „seine Volkswagenwelt“ geben. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

Der schon zur Tradition eines jeden Käfertreffens des Wolfsburger Clubs gehörende Käfer-Corso startet am Sonntag, 29. April 2012 um 10.00 Uhr am Romantikpark in Kästorf. Von dort führt die Strecke direkt auf das Gelände des Volkswagenwerks und anschließend durch die Stadt Wolfsburg. Zielort ist auch dieses Mal wieder das AutoMuseum Volkswagen, wo die Käferkolonne gegen 12.30 Uhr erwartet wird.

Der Samstag bietet ein buntes Rahmenprogramm für jeden Fan luftgekühlter Volkswagen, vom Ersatzteile- und Automobiliamarkt bis hinzu einer Käfer- Olympiade. Weitere Informationen sowie den gesamten Programmablauf finden Sie unter www.kaeferclub-wolfsburg.de

 

 

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Das Ende der deutschen Käfer-Produktion jährt sich zum dreißigsten Mal.


Vom Symbol des Wirtschaftswunders zum Auslaufmodell: Vor 30 Jahren lief in Emden der letzte deutsche Käfer vom Band. VW-Techniker Heinz Wischkony und Johann Kamp erinnern sich an den Tag, an dem eine Epoche zu Ende ging – und gleichzeitig eine neue begann.

Blitzlichtgewitter: Die Presse „von Konstanz bis Kiel“, so Wischkony, war am 19. Januar 1978 zugegen; zudem waren „Amerikaner, Franzosen und Engländer“ anwesend, sagt der Werksleiter.

Dudu konnte fast alles. Der gelbe Superkäfer war imstande zu schwimmen, zwischen Hauswänden hochzufahren, auf Stelzen seinen Weg fortzusetzen, zu fliegen. Kein Auto, sondern ein Held, ein Kultobjekt, glorifiziert wie kaum ein anderes Gefährt. Doch auch Helden müssen irgendwann einmal gehen, Dudu sogar auf höchst unrühmliche Weise: Bereits innerhalb der ersten zehn Minuten wurde Dudu in seinem letzten Film zum Totalschaden – genau im selben Jahr, in dem auch sein reales Ebenbild, den deutsche Käfer, das Zeitliche segnete: Am 19. Januar 1978, vor genau 30 Jahren, rollte im VW-Werk Emden der letzte in der Bundesrepublik produzierte Käfer vom Band. Das Ende einer Ära.

Globetrotter: Schnell wurde der Käfer, hier beim Verladen im Hafen von Emden, zum Botschafter Deutschlands in aller Welt: 1967 riss VW bereits die Zehn-Millionen-Marke, bis 2003 krabbelten insgesamt 21.529.480 Käfer vom Band.

“Wir alle haben gespürt, dass dieser Donnerstag in die Geschichte eingehen würde”, sagt Heinz Wischkony, damals Werksleiter von VW Emden. Schon allein, weil die Presse “von Konstanz bis Kiel” sich seit dem Morgen auf dem Betriebsgelände tummelte. Amerikaner, Engländer, Franzosen – aus allen Teilen der Welt seien Kamerateams angereist, um dem Käfer die letzte Ehre zu erweisen, erinnert sich der heute 76-Jährige. Für elf Uhr habe man die Journalisten in Halle 1A bestellt, wo ein kleines Team von 50 bis 60 Mann den Buckelporsche zusammenschraubte – unter der Aufsicht von Johann Kamp, Montageleiter der ersten Stunde.

Werkseinfahrt: Das Foto von 1967 zeigt den Eingang des Betriebsgeländes. Das VW-Werk in Emden war und ist der größte Arbeitgeber der Region. Noch heute arbeiten rund 50 Prozent der versicherungspflichtig Beschäftigten in der Stadt, bei oder unmittelbar für VW.

Seit der Werksgründung im Jahr 1964 arbeitete der heute 78-Jährige bei VW Emden, seine Geschichte und die des Käfers sind untrennbar miteinander verwoben. “In Gummistiefeln, mit Lodenmantel und Hut haben wir die ersten Käfer zusammengebaut”, erinnert sich Ex-Montageleiter Kamp. Denn die Hochkonjunktur forderte Höchstleistung, die Autos mussten raus, auch wenn das Werk, auf ehemaligen Kohlfeldern errichtet, noch nicht ganz fertig war. Zahlreiche Ungelernte habe er in der Mannschaft gehabt, sagt der Maschinenbauer. Menschen, die zuvor mehr schlecht als recht von Landwirtschaft oder Fischerei gelebt hatten – und die nun, durch den Bau des VW-Werks in Emden, des mit Abstand größten Arbeitgebers der Region, eine neue Chance bekamen.

Auswanderer: Das Foto zeigt den ersten für die USA produzierten Käfer im Werk in Emden.

Der Käfer gehörte zur Familie

Der Käfer war mehr als nur das Fahrzeug, das sie produzierten, er war ihre Existenzgrundlage. Und für Ortschaften wie etwa Moordorf gehörte der Käfer gewissermaßen zur Familie: Rund 80 Prozent der Bevölkerung, so Kamp, arbeiteten bei VW. Dass keiner durch den Stopp der Käferproduktion den Job verlor, da alle Arbeiter nun für Golf, Passat und Audi 80 gebraucht wurden, habe die Menschen nicht wirklich getröstet – ein Familienmitglied lässt sich eben nicht so leicht ersetzen.

Gruppenbild mit Käfer: Die Belegschaft posiert mit dem letzten in Emden produzierten Gefährt für die Kameras. Zuletzt wurden nur noch 40 Käfer pro Tag montiert, eine Kernmannschaft von 50 bis 60 Arbeitern wickelte die Produktion ab.

“Wir haben uns alle mit dem Auto identifiziert”, sagt Kamp, obwohl die Belegschaft wusste, dass die Tage des Käfers gezählt waren. Zu unsicher, zu unbequem, zu zugig, zu klein, zu hoher Spritverbrauch – die Mängelliste wurde immer länger, der Konkurrenzdruck immer größer. Der Todesstoß kam, so Wischkony, aus den USA, wo 1967 erstmals Abgas- und Sicherheitsvorschriften eingeführt wurden, die den Käfer erheblich verteuerten.

Neue, moderne Modelle mussten her, schließlich machte VW sich selbst Konkurrenz: mit den Baureihen Golf, Passat und Polo, die zwischen 1973 und 1975 auf den Markt drängten. Von nun an fristete der Käfer ein Nischendasein, sukzessive drosselte VW die Produktion. 1974 rollte in Wolfsburg der letzte Käfer vom Band, gleichzeitig fuhr das Werk in Emden die Montage stark zurück.

Verladung: Hier, im Hafen von Emden, wurden die Käfer auf Schiffe verladen und in alle Welt exportiert. Die ostfriesische Stadt bot den westlichsten Seehafen Deutschlands – und somit die kürzesten Transportwege nach Übersee, weshalb die Wahl für die Errichtung des VW-Werkes auf Emden fiel.

Beeindruckendes Blitzlichtgewitter

“Ab 1977 wurde der Käfer auf eine kleine Nebenlinie verbannt, nur noch 40 Stück liefen am Ende pro Tag vom Band”, sagt Wischkony mit Wehmut und illustriert seine Gefühle mit einem Bild: “Sie lieben Ihr Haus und wollen da nie rausgehen. Aber wenn das Dach anfängt zu brennen und das Feuer sich langsam ausbreitet, dann gehen auch Sie vor die Tür und packen Handtasche und Familie mit ein”, sagt er und lacht kurz auf. Ein Ende der Produktion war absehbar – und dennoch war die Trauer groß, als Tag X dann tatsächlich anbrach.

Bis elf Uhr schob die letzte Frühschicht an der kleinen Nebenlinie in Halle 1A ihren ganz normalen Dienst. Seit sechs Uhr morgens war Kamp da und überwachte die letzten Handgriffe: Rahmen auflegen, Chassisteile aufmontieren, Karosse von oben aufsetzen, alles verschrauben, das sei es im Wesentlichen gewesen, berichtet der Ex-Montageleiter. “Viel wurde nicht gesprochen an jenem Tag”, erinnert er sich. Ein Großteil der Truppe sei ohnehin in Mexiko gewesen, um bei dem neuen VW-Werk in Puebla Geburtshilfe zu leisten.

In Reih‘ und Glied: Das Besondere an der Käfermontage war die Rahmenfertigung. Zunächst wurde der Rahmen aufgelegt, darauf dann die Chassisteile montiert – und zuletzt schwebte an einer Kette die fertig vormontierte Karosse von oben auf den Rahmen. „Hochzeit“ nannte man diese einzigartige Vereinigung zwischen Rahmen und Karosse beim Käfer.

Dann, pünktlich um elf Uhr war es so weit: Behäbig krabbelte der letzte Käfer vom Band, ein gelber 1300er. Kurze Politur, letzte Aufräumarbeiten, Blumengestecke links und rechts über die Kotflügel drapiert – und schon strömten Journalisten, Vertreter der Stadt Emden, Führungskräfte und Honoratioren in die Halle. Beeindruckend sei das nun folgende Blitzlichtgewitter gewesen, erinnert sich Wischkony. Als Werksleiter konnte er sich keinen Gefühlsausbruch erlauben, in jenem Moment.

Lachen und Weinen: „Viele haben sich weggedreht, um die Tränen zu verbergen“, erinnert sich Montageleiter Johann Kamp, als 1978 der letzte Käfer von Band rollte. Das Foto dokumentiert, wie unterschiedlich die Stimmung innerhalb der Belegschaft war.

Der erste Buckelporsche aus Mexiko

Anders als die einfache Belegschaft: “Viele haben sich weggedreht, um ihre Tränen zu verbergen”, sagt Kamp. Er selbst habe sich beherrscht, wenn auch mit Mühe. Tapferes Lächeln, niedergeschlagene Minen, offene Trauer: die Pressefotos, die jenen Moment in Halle 1A festgehalten haben, sprechen eine lebendige Sprache. Doch wenn die Schreiber dachten, mit dem Abschlussbild sei die Pressekonferenz beendet und schon eilig Richtung Ausgang strebten, so hatten sie nicht mit Wischkonys Überraschungscoup gerechnet.

“Nach dem offiziellen Foto nahm ich das Megaphon in die Hand und bat die Presse, unverzüglich in Kleinbusse einzusteigen, die vor der Halle parkten”, sagt der Werksleiter vergnügt. Im Corso seien die verdutzten Journalisten von der Halle zur Autoverladung am Hafen chauffiert worden. Mit den Worten “Der Käfer ist tot, es lebe der Käfer” deutete Wischkony in die Luft – und präsentierte dem erstaunten Publikum den ersten Buckelporsche aus Mexiko, der just in dem Moment am Verladehaken eines Schiffes baumelte.

Der Werksleiter: Heinz Wischkony leitete das VW-Werk in Emden zwischen 1972 und 1980. Bei VW war der gebürtige Berliner seit 1955 – und „ist mit dem Käfer groß geworden“, wie sich der heute 76-Jährige ausdrückt.

Die Botschaft: Der Käfer ist eben doch unsterblich. Zwar nahm Dudu ein unwürdiges Ende, sein Vorbild aus den USA jedoch ist seit 1968 nicht totzukriegen. Spätestens seit Herbie 2005 eine Renaissance als Kinofilm feierte, mit Lindsay Lohan, Matt Dillon und Michael Keaton in den Hauptrollen, dürfte auch dem unverbesserlichsten Toyota-Fahrer klar geworden sein: Ein Auto ist mehr als nur ein Ding mit vier Rädern.

Pressekonferenz: Werksleiter Heinz Wischkony (vorne links) hielt an jenem 19. Januar 1978 die Ansprache an die Journalisten, die aus allen Teilen der Welt erschienen waren.

Vor 40 Jahren: der Käfer wird Weltmeister.


Vor 40 Jahren lief am 17. Februar 1972 der 15.007.034 gefertigte Volkswagen Käfer vom Band. Ein besonderes Datum, eine besondere Produktionsstückzahl: Mit ihr löste der Käfer den vorherigen Weltrekordhalter, das Ford T Modell (Tin Lizzy), als meist-gebautes Auto der Welt ab. Volkswagen zollte diesem Erfolg mit dem Sondermodell „Weltmeister“ Tribut. 

Der Wagen, der als Weltmeister 1972 das Fließband verließ, war ein Volkswagen 1302 im Farbton marathonblau-metallic mit schwarzer Cord-Innenausstattung und Stahl-Mehrspeichenfelgen. Seine Türen ziert die goldene Weltmeister-Plakette. Dieser Produktions-Weltmeister, eine Leihgabe der Autostadt, kann zur Zeit im AutoMuseum Volkswagen bewundert werden.

Die Weltmeister-Sonderserie für den interessierten Volkswagen Kunden glich 1972 dem originalen Weltmeister in Farbe und Ausstattung bis ins Detail. Das Volumen umfasste 6000 Einheiten zum Stückpreis von 6.930,- DM.

Schon mit Beginn der Produktion im Jahr 1945 setzte der Erfolg des Volkswagens – wie er offiziell hieß –  ein. Im Oktober 1946 wurde bereits der erste Meilenstein mit dem 10.000 Käfer, der vom Band lief, gesetzt. Das bis dahin größte Ereignis für Werk und Wagen sollte 1955 mit dem einmillionsten Volkswagen (das schließt die Transporter-Produktion allerdings mit ein) folgen. Von nun an reihten sich die Produktionsrekorde des Käfer immer schneller aneinander: Im Jahr 1962 wurde der 5.000.000 Käfer gebaut, 1965 die Marke von 10.000.000 Fahrzeugen dieses Modells überschritten.

In Wolfsburg ging die Produktions-Ära des Käfers nach fast 30jähriger Fertigung 1974 zu Ende, nach weiteren vier Jahren endete sie in Deutschland vollständig. Von nun an wurde der Käfer ausschließlich in Übersee produziert. Den Import nach Europa stoppte Volkswagen 1985. Die Mexikaner fertigten den Wagen noch für den heimischen und südamerikanischen Markt bis ins Jahr 2003. Nach der Sonderserie „Última Edición“ und 21.529.464 verkauften Exemplaren, standen die Fließbänder des Käfers nun für immer still

Der Käfer hat seine frühere Dominanz auf unseren Straßen durch die neue Modellgeneration mit ihren innovativen Techniken und Sicherheitskonzepten im Lauf der Jahre verloren, seine charakteristischen Züge hat er sich jedoch auch als über Fünfundsiebziger bewahrt. Er ist und bleibt das einzige Auto, das auf der ganzen Welt auf den ersten Blick erkannt wird. Sein Designmuster findet sich im neuen Beetle wieder.

Aus Anlass des Weltmeister-Produktionsjubiläums offeriert die Stiftung AutoMuseum Volkswagen den VW 1302 Weltmeister exklusiv bei der Techno Classica 2012 in Essen (21.-25. März) als Sondermodell der Firma BUB im Maßstab 1:87.