Ein Bild und seine Geschichte. Heute: das ba-ba-lu.


In den fünfziger Jahren – kurz nach dem verlorenen Krieg – war das Moped jugendlicher Ausdruck von Freiheit und Abenteuer. Einer Jugend, die mit dem Krieg bestenfalls noch Kindheitserinnerungen gemeinsam hatte. Frei wollte man sein und das Lebensgefühl hiess fahren. Wer es sich leisten konnte, leistete sich ein Auto. Doch das waren die wenigsten. Das änderte sich in den sechziger Jahren und mit dem Wohlstand wurde der Überfluss nicht mehr angefressen sondern verfahren. Am besten im eigenen Auto. Im Strassenbild dominierte der Käfer, unterbrochen von Kadett oder Taunus, manchmal ein DKW. Borgward, Goliath oder Lloyd, eine Isetta von BMW zeugten noch von den 50ern. Sie waren gebraucht auch damals schon erschwinglich, aber sie wollte keiner. Man glaubt es kaum, der Käfer war  damals schon das klassenlose Auto. Dem Golf zuvor gekommen.

Unser Bild zeigt eine Szene wohl in den späten sechziger Jahren. Drei Käfer gruppieren sich um dem markant im Bild stehenden SL. Das Bonner Kennzeichen verwirrt ein wenig wie der SL selber. Selten war der schon damals. Es ist ein 190er, ein kleiner SL, der ja durch eine prominente Besitzerin ein ganz besonderes Renomée erhielt.  Aber Bonn, das Hauptstadtdorf am Rhein ist das nicht. Links oben werden wir auf eine Apotheke verwiesen, die uns den Strassennamen nennt: Leopoldstrasse und drüber der Hinweis auf das berühmte ba-ba-lu. Wir sind in München, genauer in Schwabing, dem Partykeller der Stadt.

Um dem SL mit Hauptstadtkennzeichen versammeln sich drei Käfer. Links ein Cabriolet, dahinter wohl ein Standard  und dahinter noch ein weisser Käfer. Wir können wohl davon ausgehen, dass dieser Verband zusammen gehört. Die Personen sehen alle ziemlich abgerockt aus, das muss eine heisse Nacht gewesen sein. Bezeichnend, dass sie am Steuer des SL sitzt, vielleicht weil es ihrer ist? Oder kann er noch nicht fahren? Am Käfer wird noch das Gepäck verzurrt, vielleicht ein Bass. Sehen wir hier eine Beatband auf der Heimreise? Waren sie im ba-ba-lu?

Das ba-ba-lu erfindet sich bis heute immer wieder neu: es war in den 50ern noch eine Animierbar, daraus wurde der Kellerclub später eine der In-Locations für Jazz und Swing. In den 90ern feierte hier die Münchner Technobewegung mit den DJs Sven Väth, Westbam und Dr. Motte ihre Anfänge. Zwischenzeitlich unter dem Namen „Prager Frühling“ berüchtigt, erfreut sich das babalu nach wie vor großer Beliebtheit. Im „neuen“ babalu stehen wechselnde Reihen wie Karaokeabende, Livekonzerte von Jazz bis Reggae oder der in der Szene bekannte Elektroabend auf dem Programm.

Natürlich können diese Zeitgenossen auch woanders gefeiert haben. Wünschen wir ihnen aber doch, dass sie im ba-ba-lu waren. Wir gehen demnächst auch wieder hin und werden an sie denken.

 

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Von einem, von Hundertausend und von einer Million.


Wolfsburg im Mai 1955. Es war ein immenser Besucherandrang. Galt es doch die  erste Käfermillion zu feiern. Zu den Feierlichkeiten strömten mehr als 100.000 Menschen in das VW-Werk. Die meisten kamen dabei extra für diesen Anlass angereist – und man darf nicht vergessen,  die Stadt selbst hatte damals gerade mal 40.000 Einwohner.

Ein Jahr hatten die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten anlässlich des einmillionsten Käfers gedauert, drei Tage währte das Fest selbst. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von VW 1982-92, Carl Hahn, der bereits in den 50er Jahren bei VW tätig war, erinnert sich:  „Es war ein unglaublicher Organisationsaufwand“, erklärt Hahn: „Damals landete man nicht einfach per Flugzeug in Frankfurt. Die ganzen Nicht-Europäer wurden per Schiff herangeschafft. Die waren oft wochenlang unterwegs“, so Carl Hahn.

Aus allen Teilen der Welt, in denen Volkswagen irgendwie vertreten war, wurde eine Delegation herbeigeschafft, die Landestypisches zu den Feierlichkeiten beitragen sollte. „Über die brasilianischen Tänzerinnen freute sich die Dorfjugend ganz besonders“, erinnert sich Carl Hahn. Dass damals mehr als 100.000 Besucher nach Wolfsburg strömten, als dort am 6. August 1955 die Fertigstellung des einmillionsten VW Käfers gefeiert wurde, mag ja noch verständlich sein. Aber wo haben die denn alle übernachtet?

Wer hätte mit diesem Erfolg gerechnet. 10 Jahre zuvor lag Deutschland in Schutt und Asche und nun lieferte man schieder in die ganze Welt. Der Käfer sollte es seinem Mentor zeigen wie man die Welt erobert. Mit Charme und Zuverlässigkeit. So war man in Wolfsburg zu recht stolz auf das Erreichte und kam aus dem Feiern gar nicht mehr heraus

Zu Carl Horst Hahn: Er wurde 1926 in Chemnitz geboren. 1953 wurde Hahn als Assistent des Generladirektors Nordhoff eingestellt. Nur wenige Monate später konnte Hahn sich Leiter der Verkaufsförderung  im Exportgeschäft nennen. 1958 dann wurde Hahn an die Spitze von VW of America berufen. Erfolgreich war er dort auch mit bemerkenswerten und originellen Werbekampagnen. Es gelang ihm für den VW-Käfer und den VW-Bus einen soliden Markt und ein ebensolches Image aufzubauen. 1965 ging er zurück zu VW nach Europa, verliess das Unternehmen 1972, er ging zu Continental, wovon er 1992 wieder an die Spitze zu VW wechselte, die er bis 1992 inne hatte.

Im hellen Anzug lacht und strahlt bei Carl Hahns Antrittsbesuch in San Francisco Reynold C. Johnson, der VW- Vertragsgroßhändler für Nordkalifornien. Neben ihm der großartige VW-Exportchef Manuel Hinke (aus Peru); Ganz rechts: Alfred Kalmbach, verantwortlich für die USA westlich des Mississippi. Karmann Ghia Coupés und Cabrios wurden damals zu 50 Prozent in den USA verkauft. Heute haben sie Kult-Status.

 

 

Ein Bild und seine Geschichte. Heute: der Unfall.


In den sechziger Jahren arbeitete Gerhard Kromschröder als Lokalreporter im Emsland und hielt seine spröde Schönheit mit der Kamera fest. 2011 unternahm er wieder eine Expedition dorthin. Die alten und neuen Bilder sind seine Liebeserklärung an die Region und in zwei Fotobänden erschienen. Einigen Emsländern gefällt das nicht. Die Fotos seien einseitig, kritisiert der Tourismusverband. Trotzdem werden die Bilder vom 1. Juli bis 19. August im Emsland-Moormuseum in Geeste-Groß Hesepe ausgestellt. Wir zeigen ein ausgewähltes  Bild aus den Sechzigern, weil es so zeittypisch ist.
Ein  Unfall auf der Bundesstrasse 70 bei Haren. Nicht wegen des Schadens, sondern weil drei Käfer einfach zeittypisch waren. Wie auch die Tankstelle, eine Shell-Tankstelle. Wieviel Wert noch auf eine Tafel gelegt wurde. Und heute würde vermutlich das Nummernschild ausgeschwätzt werden.

Wir sehen eine Unfallszenerie. Links ist die Shell-Tankstelle zu sehen. Die Shell-Tafel steht erhaben wie ein Wappen im Bild. Zwei Käfer sind zusammen gestossen. Beide Fahrzeuge stehen mit der Front zu uns, wahrscheinlich hat sich ein Fahrzeug gedreht. Wie konnte es zu dem Unfall kommen?

Wahrscheinlich muss die Kollision beim Ein- oder Ausfahren passiert sein. Beide Fahrzeuge sind auf der linken Seite beschädigt. Es gibt keinen Zuschauerauflauf. Im Hintergrund fahren der Opel Kapitän und der DKW Junior weiter in Richtung Horizont. Der Schaden wird also nicht so spektakulär gewesen sein.

Spektakulärer scheint die Frage nach der Schuld zu sein. Schließlich hat man die Polizei gerufen. Am Strassenrand steht das Einsatzfahrzeug, ein Käfer mit Polizeiausstattung.Wohin blickt der uniformierte Polizist? Vielleicht zu seinem Kollegen, der die Bremsspur vermisst? Um ihn stehen die beiden beteiligten Gruppen. Da sind die Matrosen in Uniform und der Mann mit der Krawatte, vielleicht ein Vertreter? Für beide Gruppen ist die Fahrt hier wohl erstmal zu Ende. Zu gross scheint der Schaden… Aber vielleicht kann man ja am Schrottplatz…? Aber das wäre ein anderes Bild.

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Ein Bild und seine Geschichte. Heute: Der rote Punkt.


Amtliches Anhalterwesen wegen der Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr in ganz Deutschland. Die Protest-Aktion „Roter Punkt“ fand zwischen 1968 – 1971 in vielen deutschen Städten als Protest gegen die Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr statt. Wer Platz im Auto anbieten wollte, machte dies mit einem roten Punkt erkennbar.

Am Wochenende des 14./15. Juni 1969 hatten die zahlreichen Helfer der Aktion Roter Punkt in Hannover bereits Routine. Ein hochgehaltenes Papp-Schild mit Punkt und „Mitfahrer-Stop“ bemalt, hieß: „Hier halten, wer Platz für Fahrgäste hat.“ Inzwischen besaß jedes zweite Fahrzeug einen roten Punkt. Die wenigsten waren noch handgemalt, denn mittlerweile druckten auch Zeitungen rote Punkte – zum Ausschneiden; der DGB hatte Punkte beim SDS fertigen lassen, und sogar die Stadt hatte in einer Anzeige alle Bürger zur Mitnahme aufgefordert.

 

Ein Bild und seine Geschichte. Heute: Abbey Road.


Das Musikstudio lag an der Abbey Road, so sollte auch die Platte heißen. Was noch fehlte, war ein gutes Motiv für die Plattenhülle. Alle blicken zum Fotografen Iain Macmillan. Der sagt: raus, auf den Zebrastreifen, da hinten, da an der Kreuzung. Zehn Minuten hat er Zeit. So entstand das Albumcover zu „Abbey Road“ von 1969 als eine Reihe von Schnappschüssen. Es ist die einzige Hülle der Beatles, auf der weder Bandname noch Albumtitel zu sehen sind. Als die LP schließlich in den Läden steht, staunt einer nicht schlecht: Der Amerikaner Paul Cole, ein Tourist, der zufällig im Bild stand, als Macmillan das berühmteste Coverfoto aller Zeiten schoss. Cole ist vor kurzem gestorben. Der VW Käfer, der auf dem Bürgersteig der Abbey Road parkte, steht heute im Volkswagen Automuseum in Wolfsburg.

 

 

Welcome Home Weekend mit Prof. Dr. Dr. h. c. Hahn in Wolfsburg.


Der Käfer Club Wolfsburg e. V. eröffnet sein drittes Welcome Home Weekend am kommenden Freitag, 27. April 2012 um 19.00 Uhr mit einem Vortrag von Prof. Dr. Dr. Carl Horst Hahn im AutoMuseum Volkswagen. Ein weiterer Höhenpunkt der Veranstaltung ist der traditionelle Käfer-Corso durch Volkswagenwerk und Stadt, der am AutoMuseum Volkswagen endet.

Die Gäste der Lesung von Prof. Dr. Dr. Carl H. Hahn dürfen sich auf einen interessanten Vortrag des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG freuen. Carl Hahn wird interessante Einblicke in „seine Volkswagenwelt“ geben. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

Der schon zur Tradition eines jeden Käfertreffens des Wolfsburger Clubs gehörende Käfer-Corso startet am Sonntag, 29. April 2012 um 10.00 Uhr am Romantikpark in Kästorf. Von dort führt die Strecke direkt auf das Gelände des Volkswagenwerks und anschließend durch die Stadt Wolfsburg. Zielort ist auch dieses Mal wieder das AutoMuseum Volkswagen, wo die Käferkolonne gegen 12.30 Uhr erwartet wird.

Der Samstag bietet ein buntes Rahmenprogramm für jeden Fan luftgekühlter Volkswagen, vom Ersatzteile- und Automobiliamarkt bis hinzu einer Käfer- Olympiade. Weitere Informationen sowie den gesamten Programmablauf finden Sie unter www.kaeferclub-wolfsburg.de

 

 

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Ferdinand Alexander „Butzi “ Porsche gestorben.


Professor Ferdinand Alexander Porsche, Schöpfer des Porsche 911 und Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates der Porsche AG ist am 5. April 2012 in Salzburg im Alter von 76 Jahren verstorben. Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, würdigt die Verdienste von Ferdinand Alexander Porsche um den Sportwagenhersteller: „Wir betrauern den Tod von Ferdinand Alexander Porsche. Als Schöpfer des Porsche 911 hat er in unserem Unternehmen eine Designkultur begründet, die unsere Sportwagen bis heute prägt. Seine Philosophie von gutem Design ist für uns ein Vermächtnis, das wir auch in Zukunft in Ehren halten werden.“
Geboren wurde Ferdinand Alexander Porsche am 11. Dezember 1935 in Stuttgart als ältester Sohn von Dorothea und Ferry Porsche. Bereits seine Kindheit war von Automobilen geprägt, er verbrachte viel Zeit in den Konstruktionsräumen und Entwicklungswerkstätten des Großvaters Ferdinand Porsche. 1943 übersiedelte die Familie zusammen mit dem Unternehmen Porsche nach Österreich, wo er in Zell am See die Schule besuchte. Nach der Rückkehr nach Stuttgart im Jahr 1950 besuchte er die freie Waldorf-Schule. Nach dem Abschluss der Schule immatrikulierte er sich an der renommierten Hochschule für Gestaltung in Ulm.

1958 trat F.A. Porsche, wie er von seinen Mitarbeitern genannt wurde, in das Konstruktionsbüro der damaligen Dr. Ing. h.c. F. Porsche KG ein. Sein großes gestalterisches Talent stellte er dort schon bald unter Beweis, als er aus Plastilin das erste Modell eines Nachfolgers für die Baureihe 356 modellierte. 1962 übernahm er die Leitung des Porsche-Designstudios und sorgte ein Jahr darauf mit dem Porsche 901 (beziehungsweise 911) für weltweite Furore. Mit dem Porsche 911 schuf F.A. Porsche eine Sportwagen-Ikone, deren ebenso zeitlose wie klassische Form bis heute in der inzwischen siebten Elfer-Generation weiterlebt. Neben den Personenwagen befasste sich F.A. Porsche aber auch mit dem Design der Rennwagen der 1960er Jahre. Zu seinen bekanntesten Entwürfen zählen unter anderem der Formel 1-Rennwagen Typ 804 oder der Porsche 904 Carrera GTS, der heute als einer der schönsten Rennsportwagen überhaupt gilt.
Im Zuge der Umwandlung der Porsche KG in eine Aktiengesellschaft im Jahr 1971/72 schied Ferdinand Alexander Porsche zusammen mit allen anderen Familienmitgliedern aus dem operativen Geschäft des Unternehmens aus. 1972 gründete er das „Porsche Design Studio“ in Stuttgart, dessen Sitz 1974 nach Zell am See in Österreich verlegt wurde. In den folgenden Jahrzehnten entwarf er zahlreiche klassische Herren-Accessoires wie Uhren, Brillen und Schreibgeräte, die unter der Marke „Porsche Design“ weltweit Bekanntheit erlangten.
Parallel dazu gestaltete er mit seinem Team unter der Marke „Design by F. A. Porsche“ eine Vielzahl an Industrieprodukten, Haushaltsgeräten und Gebrauchsgütern für international bekannte Auftraggeber. F.A. Porsche genoss als Designer den Ruf, ein Funktionalist zu sein. Eine strenge und klare Gestaltungslinie ist typisch für alle Produktentwürfe, die bis heute in seinem Design-Studio entstanden sind. „Design muss funktional sein, und die Funktionalität muss visuell in Ästhetik umgesetzt sein, ohne Gags, die erst erklärt werden müssen“, lautete das Credo für seine gestalterische Arbeit. F.A. Porsche: „Ein formal stimmiges Produkt braucht keine Verzierung, es soll durch die reine Form erhöht werden.“ Die Form sollte sich verständlich präsentieren und nicht ablenken vom Produkt und dessen Funktion. „Gutes Design soll ehrlich sein“, lautete seine Überzeugung.
Sowohl für sein Werk als Designer als auch für einzelne Entwürfe wurde Ferdinand Alexander Porsche mit zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen bedacht. So ehrte ihn das „Comité Internationale de Promotion et de Prestige“ im Jahr 1968 für die überragende ästhetische Konzeption des Porsche 911, während ihn das Industrieforum Design Hannover (iF) 1992 zum „Preisträger des Jahres“ wählte. Der österreichische Bundespräsident verlieh ihm 1999 den Professoren-Titel.
Der Porsche AG blieb Ferdinand Alexander Porsche als Gesellschafter und Aufsichtsrat zeitlebens eng verbunden. So begleitete er auch nach seinem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft das Design der Porsche-Sportwagen über viele Jahrzehnte und gab der Marke immer wieder richtungweisende Impulse. Dies gilt insbesondere auch für die für Porsche schwierige Zeit zu Beginn der 1990er Jahre.
Von 1990 bis 1993 wirkte F.A. Porsche als Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens und hatte somit großen Anteil am wirtschaftlichen Turnaround der Porsche AG. Im Jahr 2005 übergab er sein Aufsichtsratsmandat an seinen Sohn Ferdinand Oliver und übernahm den Ehrenvorsitz des Aufsichtsrates.
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Der Mini vor dem Mini.


Seit Dezember 2011 ist der Volkswagen up! auf dem Markt. Fast 60 Jahre vor dem up! entwickelten die Wolfsburger mit dem EA 48 bereits einen revolutionären Kleinwagen – der allerdings nie in Serie ging.

Der Volkswagen EA 48 wurde 1955 vorgestellt – und erstaunte die Fachwelt mit progressivem Design und zukunftweisender Technologie.

Der frontgetriebene Kleinwagen mit dem sachlichen Namen EA 48 überraschte 1955 mit einem für damalige Verhältnisse fortschrittlichen Technik-Package – und war damit seiner Zeit weit voraus. Noch heute sind viele innovative Details dieses Prototyps in allen Kompaktklassewagen selbstverständlich. Der „Entwicklungsauftrag 48“ war nicht nur die erste Wolfsburger Kleinwagenkonstruktion, sondern auch das erste vollständig in Eigenregie entwickelte Fahrzeug. Obwohl der Käfer bereits seinen Siegeszug angetreten hatte, wollte Volkswagen auch den Markt unterhalb des Bestsellers bedienen: Die Bedeutung von Klein- und Kleinstwagen wurde in Deutschland in der ersten Hälfte der 1950er Jahre immer größer.

Der von Entwicklungsingenieur Heinrich Seibt vorgegebene Masterplan für den EA 48 liest sich noch heute zeitgemäß: kompakte Abmessungen bei höchstmöglichem Nutzwert, vier Sitze, Frontantrieb. Zudem sollte der kleine Volkswagen wie sein größerer Bruder hohe Qualität bieten und sich damit vom Start weg von der angepeilten Konkurrenz abheben. Gewagt waren diese Vorgaben zweifellos, stellten sie doch das Gegenteil des Käfer-Layouts mit Heckmotor und Heckantrieb dar.

Der kleine Viersitzer trumpfte mit zahlreichen erstaunlichen Details auf. So besaß er als erster frontgetriebener Kleinwagen überhaupt ein Schrägheck: ein Gestaltungsmerkmal, das sich in der Kompaktklasse erst in den 1970er Jahren endgültig durchsetzte und damals die Antwort der Stylisten auf die Vorgabe war, auf kleinstem Raum maximale Raumökonomie zu erzielen. Ebenfalls zukunftsweisend: die selbsttragende Pontonkarosserie und die kleinen 13-Zoll-Räder, die bei Continental speziell für den Prototyp angefertigt wurden. So entstand ein kleines Raumwunder, dessen Innenmaße die der Wettbewerber deutlich übertraf.

Der spätere Volkswagen Transporter-Entwickler Gustav Mayer gab dem EA 48 eine weitere Innovation mit auf den Weg: Ihm gelang es erstmals, das platzsparende McPherson-Prinzip mit Frontantrieb und dessen Lenkmechanismus zu kombinieren. Heute steckt die Kombination aus Schraubenfeder, Stoßdämpfer und Querlenker in nahezu allen Fahrzeugen mit Frontantrieb.

Beim Motor verließ man sich auf Bewährtes: Der vorn eingebaute Zweizylinder-Boxer erwies sich auf den ersten Blick als halbiertes Käfer-Herz. Seine Leistung wurde in den Testprotokollen als absolut ausreichend bezeichnet – der relativ leichtgewichtige EA 48 verfügte über ein ausgezeichnetes Leistungsgewicht. Die Fahreigenschaften des kompakten Meilensteins beurteilten die Piloten bei den internen Testfahrten als sportlich, das Handling erhielt herausragende Noten.

So sehr der EA 48 seiner Zeit auch voraus war – er ging nie in Serie. Seine Marktchancen wurden als zu gering eingeschätzt, zudem sollten die vorhandenen Produktionskapazitäten ausschließlich für den auch im Export immer erfolgreicheren Käfer genutzt werden. Dennoch: Der EA 48 ist der Erste seiner Art – und als Meilenstein der Volkswagen Produkthistorie der Vorläufer aller späteren frontgetriebenen Volkswagen Kompaktwagen.

Am Steuer: Gustav Mayer. Entwickelte am EA 48 und übernimmt im Sommer 1956 die Leitung der Fahrgestell-Entwicklung. Er wechselt 1958 zur Nutzfahrzeug-Entwicklung. Für geschichtsbewusste Kenner des Konzerns ist er heute schlichtweg der Vater der Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge – und allseits bekannt als „Transporter-Mayer“

 

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Was der Bulli alles kann.


Warum da eigentlich früher niemand drauf kam? Ein Bulli für alle Fälle. Für eben alle Fälle und alle Unwägbarkeiten. Ein Bulli mit Allradantrieb. Schliesslich war der Transporter auch da in der Welt ein beliebtes Fortbewegungsmittel, wo die Strassen eher von Elefanten befestigt wurden.  

Im Einsatz, der Prototyp des T2 im schweren Gelände.

Einer kam drauf. Das war Gustav Mayer. Der fuhr nämlich als Dienstwagen bei VW meistens einen Bus. Nicht überraschend, schliesslich war Mayer bis 1985 der Entwicklungschef der Transporter-Reihe bei VW. Eher überraschend, dass es Mayer privat öfters in die Sahara zog. Durch seine Ausflüge in die Wüste kam er nicht umhin, über einen Allradantrieb im Bulli nachzudenken: Leider stand der  in Wolfsburg auf keiner Agenda. Das wars dann eigentlich für die an sich gute Idee, wenn Mayer nicht so unanachgiebig an die Idee geglaubt hätte. So baute er heimlich einen Allrad-Transporter, besorgte sich die Teile aus dem Baukasten, verschwand mit dem Ganzen in die Wüste und sah, dass es gut funktionierte.

Jetzt braucht man eigentlich nur noch einen offiziellen Entwicklungsauftrag, aber der fehlt immer noch, denn die VW- und Ölkrise vermasselen Mayer die Bereitschaft der Konzernoberen zu solch einem Projekt. Die haben ganz andere Sorgen. Also baut das Team der VW-Nutzfahrzeug-Entwicklung unter der Leitung von „Transporter-Mayer“, den ersten Prototyp eines allradgetriebenen T2 mit zuschaltbarem Frontantrieb. Mit einem solchen  Fahrzeug gelingt Mayer die Durchquerung der Sahara. Der VW-Ingenieur Henning Duckstein fuhr ebenfalls mit einem Allrad-T2 durch die für Radfahrzeuge als unpassierbar geltende Grand  Erg Oriental im östlichen Algerien von Deb-Deb nach El-Oued. Ritterschlag für den wackeren Recken T2 sozusagen.

Diese Leistung überzeugt den Vorstand aber immer nicht zur Freigabe der Vorbereitung einer Serienproduktion. Die Allrad-Antriebstechnik kam erst Ende 1984 beim Nachfolgemodell T3 unter dem Namen „Syncro“ in anderer Form auf den Markt. Den 4×4-Bus nannte man syncro, auch weil er mit einer damals beim Allradantrieb bei VW üblichen Visco-Kupplung ausgestattet war. So bereicherte die Allradvariante des T3 in den kommenden 18 Jahren das Transporter-Programm bei VW.

Zunächst  widmet man sich ab 1978 bei VW nochmal den Versuchen des Jahres 1975 und baut fünf weitere Prototypen. Es sind trotz der bevorstehenden Einführung des T3 Allrad-Versuchsfahrzeuge auf T2-Basis mit zuschaltbaren Frontantrieb, zwei Differenzialsperren und 16-Zoll-Rädern. Zahlreiche Umbauten und Änderungen an Blechkleid und Technik waren notwendig. Es musste Platz geschaffen werden für Räder bis 16 Zoll und den Antriebsstrang. Das geschah mit neuen Radhäusern und einer geänderten Bodengruppe. Das serienmäßige Getriebe brauchte einen Durchtrieb für den Anschluss der nach vorne führenden Kardanwelle, für die Aufnahme von Differential und Gelenkwellen wurde die Vorderachse modifiziert.Dem Boxer im Heck ist die Halbautomatik des Käfers angeflanscht. Mit Stahlblechwannen und Gleitkufen erhält der Unterboden und die Antriebstechnik – falls es mit den 30 Zentimeter Bodenfreiheit eng wird unter dem Bulli-Bauch – einen Schutzmantel.

Für bessere Geländegängigkeit sind beide Achsen mit Sperrdifferenzialen ausgestattet. Die Halbautomatik des Käfers mit Drehmomentwandler und Schaltkupplung überträgt die Motorkraft. Aber, trotz der hervorragenden Geländeeigenschaften ist die Zeit für einen Transporter mit Vierradantrieb bei VW immer noch nicht reif.

Der Weg zu den fünf offiziellen Versuchsfahrzeugen mit zuschaltbarem Frontantrieb war allerdings weit. Zahlreiche Umbauten und Änderungen an Blechkleid und Technik waren notwendig. Trotzdem ist hier beim T2 dann endgültig Schluss mit Allradantrieb. Stattdessen kommt 1979 die Generation T3. Der Platz für Kardanwelle und Vorderachsdifferenzial ist eingeplant, bleibt aber zunächst ungenutzt. Erst sechs Jahre reift der Allrad-VW  zur Serrienreife des Syncro-Transporters. Mit im Boot ist mit Steyr-Daimler-Puch ein echter Allradexperte. Das Gespann aus Wolfsburg und Graz macht keine halben Sachen und baut gleich einen permanenten Allradantrieb ein, der die Kraft per Viskokupplung zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt.

Der brasilianische Volkswagen SP-2


Vor vier Jahrzehnten, im Frühjahr 1971, wurde ein Fahrzeug präsentiert, das die damalige automobile Welt nicht von Volkswagen erwartet hätte: ein äußerst dynamisch gestaltetes Sportcoupé, niedrig auf der Straße kauernd, große Räder, lange Front, markante Doppelscheinwerfer. Sein Name: Volkswagen SP.

Große Räder, flache Karosserie: Der Volkswagen SP-2 hat die ideale Sportwagenfigur.

Zwar wurde er der Öffentlichkeit erstmalig in Deutschland vorgestellt, seine Wurzeln liegen aber viele tausend Kilometer entfernt in Brasilien. Dort übernahm 1968 Rudolf Leiding, zuvor Direktor des Volkswagen Werks in Kassel und Vorstandsvorsitzender von Audi NSU in Neckarsulm, die Leitung von Volkswagen do Brasil. Er hatte 1968 von Volkswagen Generaldirektor Heinrich Nordhoff den Auftrag erhalten, das südamerikanische Werk wieder auf die Erfolgsspur zu bringen – Leiding nahm diese Aufgabe unter der Bedingung an, für den Markt auch eigenständige Modelle realisieren zu können. Höchstpersönlich skizzierte Leiding demnach seine Idee eines zweisitzigen Sportcoupés, das er von einem jungen Team zur Serienreife bringen lassen wollte. Als Entwicklungspartner dienten zudem die Produktionsspezialisten von Karmann-Ghia do Brasil.

Die Vorgabe an die Entwickler war eindeutig: Unter Verwendung möglichst vieler Serienteile aus dem Baukasten der brasilianischen Modellpalette sollten die Kosten niedrig gehalten werden. Als technische Basis für das neue Sportcoupé diente der Volkswagen 1600, die brasilianische Version des Typ 3 mit eigenständiger Karosserie. Von ihm wurden das Fahrwerk mit vorderer Kurbellenkerachse und Pendelachse hinten sowie der Motor übernommen, die Stahlkarosserie hingegen war eine weitgehend eigenständige Entwicklung. Die markanten Doppel-scheinwerfer stammten ebenfalls vom 1600 – während sie dort die Front einer bürgerlichen Limousine zierten, wurden sie jetzt zum prägenden Designmerkmal.

Beeindruckende Front: Den Volkswagen SP-2 prägt ein markantes Doppelscheinwerfer-Gesicht.

Bei Fahrversuchen erwies sich der serienmäßige 1,6-Liter-Boxermotor aus dem Typ 3 mit 54 PS dem sportlichen Anspruch als nicht angemessen. Man beschloss, diese Motorisierung in einer etwas einfacher ausgestatteten Version als Volkswagen SP-1 anzubieten.
Um über ein stärkeres Aggregat zu verfügen, wurde der sogenannte Flachmotor auf 1.678 ccm aufgebohrt. Er leistete nun 65 PS bei 4600/min und ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 156 km/h.

SP steht für Sport. 2 für den zweiten Versuch.

Während man den SP-1 nur in sehr geringer Stückzahl baute, wurde der SP-2 von Juni 1972 bis Februar 1976 immerhin über 10.000 Mal gefertigt. Offiziell nie in Europa angeboten, kam ein Exemplar jedoch auf regulärem Weg nach Deutschland: Rudolf Leiding wurde bereits 1971 wieder zurück nach Wolfsburg gerufen, wo er als neuer Vorstandsvorsitzender die Modelle Passat und Golf auf den Weg brachte. Als Geschenk für seine Ehefrau orderte er nachträglich einen SP-2 nach Wolfsburg – ihr war das Sportcoupé jedoch im deutschen Straßenbild zu auffällig, sie verkaufte es nach kurzer Zeit.Heute befinden sich einige Volkswagen SP-2 auch in europäischer Sammlerhand. Dass Volkswagen in Brasilien noch über einen SP-3 nachdachte, der uns mit ca. 100 PS sportlich sicher überzeugen könnte, ist eine andere Geschichte.

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